 und häusliches Glück, Sympatie der Seelen und
Missheiraten so deraisonirt, als wenn ich dafür wäre bezahlt worden. Über das
Herz, behauptete ich sehr einleuchtend, sollte kein Grundsatz gebieten, der
nicht aus der Natur, sondern aus unsern erkünstelten Verhältnissen entsprang.
Verschwende ich hier nicht offenbar an den Götzen des Vorurteils eine Perle so
rein und acht, als die Liebe nur ihren Lieblingen zuzuwenden vermag, und darf
ich wohl hoffen, jemals in der Verzäunung, in die mich mein Stand verbannt, ein
Kleinod wieder zu finden, das diesem hier gleich ist?
    In solchen Sophistereien, würde ich sagen, habe ich eine schöne Morgenstunde
verträumt, als ich heute auf der Spitze des Berges an ihrer Seite lauschte, wenn
ich mich nicht zugleich wie ein erfrorner Priester, an der auflodernden Flamme
ihrer Erstlingsliebe so durchwärmt hätte, dass ich unmöglich den Verlust der Zeit
beklagen kann, ob ich gleich jetzt nach allen kaltblütigen Mitteln der Vernunft
stören muss, um meine durchglühte Einbildungskraft wieder abzukühlen. Gottlob,
dass es mir gelungen ist! Ich habe mir stark in das Gewissen geredet, mir
bewiesen, dass ich zu der wankelmutigsten, treulosesten Menschenklasse gehöre,
die einzige ausgenommen, die in allem eine Stufe über der meinen steht - dass ich
viel zu lange in einer verdickten Atmosphäre gelebt habe, um in der Region der
Wahrheit und der dunstfreien Natur dauern zu können, und habe daraus die
Schlussfolge gezogen, dass Margot, dies Kind der Unschuld, viel zu gut für mich
sei.
    Gewiss ist sie des besten Mannes wert. Aber nur einer, dessen Geburt und
Lage ihn von der Amme an gegen die feindseligen Angriffe der guten Erziehung
geschützt haben - der das Gift der Sitten nicht eingezogen hat - der alle
Strahlen des Glücks, der Zufriedenheit noch in Einen Brennpunkt vereinigt, und
mit der großen Kunst der höheren Stände noch unbekannt ist, sie prismatisch in
Farben zu teilen und - unkräftig zu machen - mit Einem Worte, nur der beste
Mann ihres Standes vermag es, dieses schöne, gefällige, tugendhafte, und mit der
herrlichsten Zusammensetzung zu einem trefflichen Weibe begabte Mädchen so
glücklich zu machen, als es zu sein verdient. Von ihr ist es eine schuldlose
Verirrung, dass sie mich liebt - von mir - würde es eine Treulosigkeit an der
Natur sein, wenn ich diese Verirrung missbrauchen und sie aus dem Zauberzirkel
reißen wollte, in welchem ich die schätzbaren Menschen sich drehen sehe, deren
Hausgenosse ich bin, und der mich - ich stehe nicht dafür - bis zu der
lächerlichsten Ehe schwindlich machen könnte, wenn ich ihnen länger zusehen
sollte.
    Ihre vier Jahreszeiten, Eduard, - wie verschieden sind sie nicht von den
unsrigen! Sie verlaufen ihnen so glücklich und einfach, wie die Zeiten ihrer
einzelnen
