 großen Loose ihres Heiratsguts beitrugen, den jungen Anfänger beneiden, dem
es zufiel. Und doch, Eduard, würde mir das liebe Kind in der vornehmen Lage, in
der ich zur Zeit noch keine der Musen sah, trotz der vollen Beutel, die Merkur
ihr in den Schoss schüttet, schwerlich besser gefallen, als jetzt mit fliegendem
Haar, ländlichem Mieder unter ihren Blumen und Früchten. Ich wählte mir aus
jenen ein freundliches Rosenknöspchen, der Ähnlichkeit ihrer Lippen, und ein
Noli me tangere, der Unschuld wegen, die darauf ruhte, aus diesen aber ein paar
tetons de Venus, die Linnée unter allen Pfirsichen für die schmackhaftesten
hält. Höher sind mir aber auch in meinem lüsternen Leben keine zu stehen
gekommen. Die liebe unbefangene Verkäuferin errötete selbst über meine unmässige
Freigebigkeit und Jerom schüttelte den Kopf dazu. O hätten nur beide gewusst,
woher sie entsprang. Sie hatte solche, im Vertrauen gesagt, weder dem
Vorüberflug ihrer funkelnden Augen, noch den gleich vergänglichen Tönen ihres
Mundes, - sondern den Lorberblättern zu verdanken, die ich in meiner
Schreibtafel aus ihrem Glashause mitnahm, um das Monument meiner Jugendreise
damit zu krönen. Ja, Eduard, der anspruchlose Waldgesang der liebenswürdigen
Emilie beschliesse mein Tagebuch. Hört man nicht alle möglichen Epiloge am
liebsten aus dem Munde eines schönen unschuldigen Kindes, und kann man ein
Konzert wohl artiger endigen, als mit einer unverdorbenen weiblichen Singstimme?
    Wohl wahr! und doch ist es dem menschlichen Herzen eigen, dass keins, je
behaglicher es auf dem Musikstrom fortschwimmt, ohne Unruhe an den letzten
Bogenstrich, der ihn dämmt - ohne Verdruss an die sterbende Note denken kann,
unter der sich ein sanftes Andante auflöset. Der wahre Virtuose fürchtet, wie
seine lauschenden Zuhörer, im voraus die Todenstille des Saals, die nachfolgt,
und so sah auch ich im Vorgefühl meines baldigen Verstummens dem lieben
epilogirenden Kinde mit traurigem Nachdenken in das niedliche Gesicht; Jerom
musste mich mehr als einmal an das Fortgehen erinnern, und doch zögerte ich, bis
das Glöckchen-Geläute der letzten abgehenden Treckschüte mir durch alle Glieder
fuhr, und als ich nun in überströmender Zärtlichkeit dem guten Mädchen noch
einmal meine Hand bot, ward mir so weinerlich zu Mute, als ob ich von ihrem
ganzen lieblichen Geschlecht, samt den neun Musen ewigen Abschied nähme. So
lange ich auf der Rückfahrt das schmucke Tempelchen noch in der Abendsonne
blinken sah, war es mir nicht möglich, meine Augen nach einer andern Seite, -
meine Fantasie auf einen geringeren Gegenstand, als auf die Nymphe zu richten,
die es bewohnte. Ich schrieb ihrer Jugend, Schönheit, Unschuld und ihrem
poetischen Talente so viele Festtage zu Gute, dass ich bis ans Leidener Tor
nichts zu tun hatte, als sie, wie
