, mag sie doch meinetwegen der Rachen eines Wallfisches verschlingen,
wie den ehrlichen Jonas. Ich verlange nicht einmal, dass er sie wieder ausspeie,
sobald sie mich nur nicht nachziehen. Doch eben höre ich den Kapitain befehlen,
dass die Mannschaft sich schlafen lege, die nicht angestellt ist.
    Das gilt auch mir. Ich gehorche.
                                       Am Bord des Schiffs Katarina die Zweite,
                                                                  den 8ten März.
Mein erster Versuch mit der Hangematte ist glücklicher abgelaufen, als ich
glaubte. Geist und Körper fühlen sich gesund, und mit meinem Wohlbehagen ist
auch mein Mut gestiegen.
    Der Wind - Ich würde ihm zwar nicht trauen, aber mein Kapitain sagt - und
das ist mir genug - er wäre so gut, als ein Seemann ihn wünschen könne. Schon
werden die Segel gespannt, die Anker gehoben und das Steuer-Ruder von der
erfahrnen Hand eines Seehelden gefasst, dessen edle bescheidene Miene schon
Ehrfurcht und Vertrauen einflößt, der das Leben und Glück der Menschen zu
schätzen weiß, die seiner Leitung überlassen sind, seinem wichtigen Beruf ohne
Grosssprecherei als ein ehrlicher Mann vorsteht, manchen Sturm mit Festigkeit und
Klugheit bekämpft hat, ohne ihn in Journalen zu beschreiben, oder mit so grellen
Farben zu schildern, wie der Anspachische Schmierer hinter seinem Dachfenster
das berühmte Revolutions-Gemälde, das zwei Ellen und einen Daumen groß, aber
schlecht erfunden und keinen Heller wert war. O welch ganz anderes Kolorit hat
die Wahrheit, und wie glücklich ist ein Passagier, der, wie ich, einen
scharfsichtigen Kapitain am Kompass - einen erfahrnen Steuermann am Ruder weiß!
Sei es ein Kriegs- oder Kauffarteischiff, sie bringen es gewiss glücklich in den
Hafen. In solchen hoffnungsvollen Gedanken ruhte mein Blick auf dem ehrlichen
Gesichte des alten Schiffers, der sie mir eingab, als Kosodawlew bei uns vorbei
in seine Kajüte eilte, um das Signal zur Abfahrt zu geben. Er nahm mich bei der
Hand mit sich. »Munter, munter, Herr Lieutenant!« sagte er scherzend. »Mein
dirigirender Minister dort nimmt es mit allen Winden der Erde, und meine große
Kaiserin mit allen Schutzheiligen in der Legende auf.« Und ich, während er
veranstaltet, dass man Ihre Flagge aufstecke, sitze andächtig an meinem
schwankenden Schreibpultchen, und bete es ihm nach:
Vom Borysten bis zur Garonne,
Vom Wolgastrom bis an den Belt
Durchschwebt Ihr Name wie die Sonne
Wohltuend jeden Teil der Welt,
Und angelacht von Ihrem guten
Gestirn, ruft mir mein Vaterland:
Verlass ein Reich, das Rauch und Tand,
Um Gott zu blenden - Wünschelruten
Zum Richtscheid der Gesetz' erfand,
Das einen Greis dem Grab entwand,
Um auf dem Rade zu verbluten.
Schon hebt Aurorens Rosenband
Mein freies Schiff, schon fliegt der Strand,
