 schob ich geschwind ein, »keinem meiner Freunde, das will ich im voraus
beschwören.« »Einem,« fuhr er fort - - -
    Aber o Ihr, die Ihr mich bis zu dieser Zeile geduldig auf meinen Spazier-
und Irrgängen begleitet habt, Euch, meine vortrefflichen Leser, muss ich jetzt
einige Augenblicke still zu stehen bitten, denn ich selbst stehe zum erstenmal
in meinen Wanderungen vor einem Oha, über das ich nicht wegzukommen weiß. Ein
heimtückischer Zufall hat mir die meisterhafte Zeichnung meines Russischen
Freundes entrissen, und den lustigsten Text von der Welt durch eine Lücke
unterbrochen, die ich leider! jetzt nur mit einer kläglichen Note auszufüllen im
Stande bin.
    Diese Verlegenheit tut mir doppelt wehe, weil sie mich zugleich nötigt,
ein Geheimnis auszuplaudern, das ich mit mir ins Grab zu nehmen gedachte. Das
Schicksal, scheint es, will mir nicht vergönnen, das Geringste vor Euch auf dem
Herzen zu behalten. Es liegt, ich weiß es, manches Rätselhafte noch in meinem
Tagebuche, das Eurer Aufmerksamkeit wohl schon oft anstößig gewesen sein mag;
doch davor darf mir nicht Angst sein, denn in einigen Tagen, hoffe ich, wird
Euch auch das Widersprechendste unzweideutig und klar, wie die Wahrheit, vor
Augen stehen.
    Ob aber die kräftige Schilderung des Unbekannten je wieder an das Licht
kommen werde, das sie so sehr verdient, muss ich, ohne es ganz zu bezweifeln,
allein der künftigen Zeit überlassen, denn die meinige ist, - und das eben war,
wie ihr alleweil hören sollt, mein Autorgeheimniss, - verlaufen.
    War es ein Anfall von Eitelkeit, falsche Scham eines jungen flüchtigen
Gesellen, oder Nachahmungssucht - ich lasse es unentschieden, die mich, nach
meiner Zurückkunft in Berlin, auf den tollen Einfall brachte, meine
Selbstbekenntnisse, wie Jean Jaques die seinigen, unter Schloss und Siegel zu
legen, und, gleich ihm, zu verordnen, dass mein Erbe ihnen erst zwanzig Jahre
nach meinem Ableben Luft mache.
    Ein Augenblick Überlegung brachte mich, wie ich denke, auf einen klügern
Entschluss. Wärest du, sagte ich mir, auch notdürftig zu entschuldigen,
Possenspiele mit deinen Zeitgenossen zu treiben, die es nicht mir längst an dich
gebracht, sondern auch das Wiedervergeltungsrecht noch immer in Händen haben, so
sähe es doch einer Poltronnerie sehr ähnlich, wenn du dich erst aus dem Staube
machen und der Nachwelt gleichsam hinterrücks deine Schneebälle aus einer
Entfernung in das Gesicht werfen wolltest, in der sie dich nicht mehr erreichen
kann. Und ist es denn nicht, fuhr ich ernsthafter fort, mehr als zu bekannt, wie
pflichtvergessen der Freund, dem der große Mann die Herausgabe seiner
Konfessionen übertrug, die strenge Frist verkürzt hat, die Rousseau der Neugier
