 den
Namen Kaverac führt, und nur anderthalb Stunden von der Stadt entfernt ist. Es
ist einem Baron zuständig, der um seinen König herum kriecht, und sein Schloss
unbesucht lässt, das ohne Hilfe unter seiner eigenen Pracht und Größe erliegt.
Die kleinen Bauerhütten, die es umzingeln, sehen wie Brocken aus, die Wind und
Wetter von seiner Felsenwand abgespült haben: aber sie liegen sicher und ruhig,
indes die zerstörende Zeit unermüdet an dem Einsturze des nachbarlichen Kolosses
arbeitet. Ich nahm ohne Umstände Besitz von dem Kästchen, das Johann, mit einem
Gefühl, das seinem Herzen Ehre macht, für mich ausgesucht hatte, und möchte es,
so hölzern es ist, für keinen Preis gegen den traurigen Aufenthalt in jener
Steinmasse vertauschen, die ihm zur belehrenden Aussicht gegen über liegt. - Und
die Bewohner dieser Hütte - wer wollte nicht mit ihnen zufrieden sein?
Dess Herz war wohl seit dem Ergüsse
Des ersten Tropfen Bluts vergällt,
Der sich zu gut zum Mitgenusse
Der Freuden dieser Menschen hält;
An ihrer Patriarchen-Sitte
Der Städte Politur vermisst,
Nicht unterm Strohdach ihrer Hütte
Gern seine Gobelins vergisst;
Dem fette Milch aus irdner Schlüssel
Nun keine Fürstenkost mehr däucht,
Weil sie kein Herr nom goldnen Schlüssel
Mit ernstem Amtsgesicht ihm reicht;
Der nie den ungesuchten Scherzen,
Des Landmanns Tischgesprächen horcht,
Weil er sie nur dem frohsten Herzen,
Nicht Fontenellen abgeborgt.«
    Reine, unverdorbene Natur! Warum verwies ich meinem Johann diesen Ausdruck,
der, so oft er auch gemissbraucht wird, doch auf diesen gesunden, tätigen,
fröhlichen Mann und auf sein junges, reizendes, liebevolles Weib so passend ist,
dass ich für diese glücklich zusammen Gepaarten keinen schicklichern ausfindig zu
machen wüsste.
    Ein Morgen Land, der an ihre Hütte anstösst, mit Oliven, Feigen und
Maulbeerbäumen besetzt; eine Oelpresse und ein Behälter im Vorhause für ihre
Seidenwürmer: das sind die einfachen Mittel ihres Unterhalts, und nie, sagen
sie, habe sich noch Mangel und Schwermut ihrer Schwelle genähert. Sie treiben
ihre Handarbeit wie ein Spiel, durch das sie Hunger, Schlaf und Stärke der Liebe
gewinnen. An die Seele denken sie nicht: diese ist bei ihnen ein Acker, der von
selbst nur reine und gesunde Frucht tragen kann, und keiner mühsamen Bearbeitung
bedarf. Die Kunst, zufrieden zu sein, liegt ihnen in dem Herzen, wie die Kunst
zu sehen in den Augen. Sie nützen diese natürlichen Eigenschaften, ohne einen
Augenblick über die Mechanik derselben nachzudenken.
    Da es für heute zu spät war, einen neuen Küchenzettel zu entwerfen, so musste
ich mich diesen Mittag mit ihrer gewöhnlichen Kost begnügen; und dazu gehörte
fürwahr keine große Verläugung. Kräftiger, behaupte ich, kann man nicht kochen,
und freundlicher kann
