 wenn in Vestalen-Tracht
Ich sein gesunknes Feuer
Neu aufgefacht!
Wenn ich ihm Leda war, bald Phöbe, bald Latone,
Er - hier als Donnerer mir in die Federn drang,
Dort aus der Göttin Krone
Ein Blatt errang.
Wortbrüchiges Geschlecht! Mit jedem Stufenjahre
Fiel ein Geschworner ab und trat ein Freund zurück,
Und meinem blonden Haare
Wird jetzt kein Blick!
Wie will ich Dir, der mich in meinen Jugendtrümmern
Unkundigen des Wegs zum Merkpfahl aufgestellt,
Die Spötterei verkümmern
In jener Welt!
Vergebens strecke sich von meiner Brust geschieden
Nach ihrem höheren Reiz die stolze Männerhand,
Die fühllos sich hienieden
Von mir gewandt!
Ja, heuchelte sogar, vergafft in meine Strahlen,
Ein Männerseraph mir dort seine Liebespein -
Wie sollten seine Qualen
Mein Labsal sein!
Gleich Motten sollt' er sich um die verklärten Hügel
In immer näherm Kreis bis an den Brennpunkt drehn;
Dann mit versengtem Flügel
Vor mir vergehen!
Nur Ihn, zu dem ich bald verherrlicht wiederkehre,
Der mich, eh' ich noch war, zum seligsten Beruf
Und zum Gefäß der Ehre
Mein Herz erschuf,
Den Schöpfer soll allein - dass ich nur Einen schaue,
Der ewig Treue hält - mein Wolkenbett empfahn,
Milchweiss und himmelblaue
Krepinen dran. -
Ich bin des Herren Magd und mir - - -«
    »Um aller Heiligen willen, lieber Filbert,« fuhr ich jetzt zusammen, »machen
Sie, dass ich aus der Atmosphäre dieses abscheulich verrückten Weibes komme. Ich
habe doch in meinem Leben manche verschmitzte Koquette entlarvt gesehen -
mancher durch Buhlerei verunstalteten Seele aufgelauert, um hinter ihre Schliche
zu kommen: aber sie schränkten doch immer - auch ihre unerklärbarsten Ansprüche
- bloß auf das Zeitliche ein. Diese Närrin hingegen lebt sogar der Hoffnung,
dereinst mit Gott dem Vater eine Intrigue anzuspinnen. So etwas ist mir noch
nicht vorgekommen!« Ich drängte meinen Führer vor mir her - rief Bastianen und
den Maler, der, an das Gitter seines versöhnten Feindes gelehnt, mit ihm in ein
Gespräch, vermutlich von der ewigen Kunst, verwickelt war, und nun begleitete
uns Filbert, schweigend und nachdenkend, bis an den kleinen abgesonderten - jene
traurige Wohnung umschliessenden Zwinger, die sich die reichste Erbin im Lande zu
ihrem Wittwensitze gewählt hatte. Er empfahl mir den innern Türriegel
vorzuschieben, um Herr über meinen Ausgang zu sein, im Fall mir das Herz zu
schwer werden sollte. »Deswegen?« lächelte ich, »o Sie halten mich doch auch für
einen gar zu großen Weichling, lieber Mann!« Wir setzten uns, nach seiner
Anweisung, so geräuschlos als möglich, auf einen Vorsprung der Mauer der
Gittertüre der unglücklichen Dame gerade über. Passerino zog in der
Zwischenzeit sein Pergament hervor und nahm das Lokal
