 verlegen über diese unerwartete Äußerung eines
Dominikaners, dass Gott wissen mag, wer mir zwei Worte, die ich immer für
widersprechend gehalten habe: das Glück des abgezogenen Lebens, auf die Zunge
gerieten - »Das Leben,« antwortete der Mönch, »sollte nie von Tätigkeit und
erlaubtem Genuss abgezogen Werders denn was wäre sonst seine Bestimmung? Wenn
dein Widerstand gegen wilde Neigungen nur von der Kette herkommt, die man dir
anlegt, wem kann die Ehre davon gebühren, als der Kette? Ach, wie ist das
Verdienst der Mönche und Nonnen so geringe! Unendlich ehrwürdiger ist mir der
Mann, der in den Wellen des Lebens, wo nicht fest wie ein Fels steht, doch ihnen
nur so viele freie Kraft entgegen setzt, dass sie ihn nicht ganz in den Sand
spielen. O! ich kenne den Wert der Tugend, die von Versuchung entfernt ist -
verstehe die Lieder der singenden Vögel, die ein Käfich umschließt - Was
enthielten die Seufzer meiner Andacht von meinem achtzehnten Jahre an bis in
mein funfzigstes? Löset die zärtlich frommen Empfindungen der Nonnen, die
nächtlichen Gebete eines Klosterbruders auf, und Ihr werdet erschrecken! Wie
kann das Zerreiben eines armen menschlichen Herzens, das aus der Werkstatt der
Natur sich als einen unnützen Stein in eine Wüste verworfen fühlt, wie kann es
zufrieden sein, wie könnte es Gott gefallen! Das Glück, im Guten tätig und
frohen Herzens zu sein, genieße ich alter Mann erst seit fünfzehn Jahren, mein
Herr, und musste mir es durch die Folge meiner sitzenden, und ohne mir einer
andern Sünde bewusst zu sein, als die mir zur Pflicht gemacht war - bussetuenden
Lebensart - durch eine schwere Krankheit erringen, die aus Ungeduld gegen Gott
und Menschen zusammengesetzt, zu dem höchsten Grade von Melancholie erwachsen
war. Hoffnung der Freiheit, die mein Arzt menschenfreundlich unter seine
Arzeneien zu mischen verstand, bewirkte allein meine Genesung, und auf seine
Furcht vor einem Rückfalle, die er dem Pater Schatzmeister ans Herz legte,
verlängerten meine Obern die Kette, die mich an ihre Stiftung band. Ich kam
unter die Zahl der Wenigen, denen als Priestern einzelner Kapellen, und als
Beichtvätern, oder, welches einerlei ist, als gedungenen Erbschleichern, außer
dem Kloster zu leben erlaubt wird. Seit diesem sonderbar glücklichen
Verhältnisse habe ich erst angefangen meiner wahren Bestimmung zu folgen, aber
das Glück der Jugend - das Eingreifen der Liebe in die Zukunft, war dahin, war
einem falschen Götzen aufgeopfert, und ach! kinderlos blicke ich nun in das
Grab. Doch lernte ich in der Freiheit, was in meiner Zelle unmöglich war -
Menschen lieb gewinnen, und gewann selbst treue und würdige Freunde. Das Bette
eines Kranken brachte mich mit dem edelsten von allen, mit
