 er will,
über diejenigen, die dem Strudel der Zeit entrannen, sein Strandrecht ausüben
kann - dieser Mann, sage ich, steht bei mir als Kabinetsminister in Eid und
Pflicht - ein Titel, den ich ihm im umgekehrten Verhältnisse gegen manche
Fürsten, die ihn austeilen, ernsthafter beilegte, als er ihn annahm. Wie der
gemeinste Glaser, bedachte er nur bescheiden sein Handwerk; ich hingegen
würdigte ihn nach seinem gewaltigen Einflusse auf mein Kabinet, und konnte in
dieser Beziehung ihn nicht genug ehren. Denn welch eine Ausbeute wird seine
fleißige Hand nicht aus jenem bis jetzt unbenutzten Schachte der dort seit
Jahrhunderten verhaltenen Klagestimmen zu Tage fördern! Welches Licht wird nicht
mein glänzendes Museum über jene politischen Todesgewölbe verbreiten! Nicht nur
die armen Eingesperrten werden durch Wegräumung der alten verblichenen
Glasscherben heller sehen, sondern auch unsre blinden Geschichtsschreiber, die
über den Seelenzustand eines Staatsverbrechers, über seine Empfindungen in der
Einsamkeit des Gefängnisses, selten so viel zu sagen wissen als solch eine
Fensterscheibe. Wäre es in der Mitternachtsstunde, die mir über den Hals
gekommen ist ich weiß nicht wie, für den Spaß nicht zu spät, einen Katalogue
raisonné von diesen biographischen Bruchstücken zu fertigen, deren jedes sein
eigenes Blatt verdient, so würdest Du in den freien, bitteren und großen
Gedanken, mit welchen hier ein Montmorency, ein Retz, Richelieu, Fouquet und
Voltaire ihren gepressten Herzen Luft schafften, schon erstaunenswürdige Belege
meiner Angabe finden. Und doch sind selbst diese Denkmäler der Vorzeit für
nichts in Vergleichung einer fast unglaublichen Urkunde zu achten, die in einer,
wenn ich nicht irre, aus den Menechmen des Plautus genommenen Zeile das größte
Geheimnis der vergangenen Zeit enthüllt, mit der Unterschrift, statt des Namens,
Vultus tyranni. Diese zwei mystischen Worte, dieser schlau gewählte Spruch des
Dichters, zusammen gehalten mit der unbefangenen Aussage des Glasers, der diesen
höchst merkwürdigen historischen Splitter aus dem Fenster eines seit hundert
Jahren leer gelassenen Gefängnisses, in das ihm ein Schlossenwetter verhalf,
genommen hat, verwandeln meine erstaunende Vermutung in eine Gewissheit, vor der
jeder Geschichtsforscher seine Knie beugen sollte. Sie zeigen unwidersprechlich,
dass sie nur von einem verheimlichten Menschen, verstossenen Bruder, vernichteten
Fürsten, und von keinem andern als der Masque de fer herrühren können, und
vermutlich auf der Oberfläche der Erde der einzige Nachlass dieses unbekannten
Gefangenen sind. Was für Feste erwarten Dich, Eduard, wenn ich diese Schätze
einmal vor Deinen Augen auspacken, wenn ich künftig bei jeder ankommenden
Pariser Post Deinen Beistand anrufen werde, die eingelaufenen Dokumente zu
ordnen und zu schichten! Wie mag sich nicht schon ihr Ertrag während meiner
Reise angehäuft haben, den meine, Gott gebe, glückliche Zurückkunft sogleich
flott machen wird! denn das war die letzte Verabredung mit meinem Minister.
