 das königliche
Vergnügen machte, sein Gewehr auf seine protestantischen Untertanen abzufeuern.
    So kam ich endlich in den heftigsten Gemütsbewegungen und mit dem festen
Entschlusse in mein Hotel, bis morgen zu meiner Abreise, außer dem Stübchen, das
mir der englische Koch einräumtte, nichts weiter von Paris kennen zu lernen.
    Der Wirt hatte jedoch unterdessen das Geschäft, bei welchem ich mich so
ungeschickt benahm, mit meinem Johann in's klare gebracht. Ich wurde mit vielen
Entschuldigungen von ihm empfangen, und zu meinem Vergnügen bei dem
unglücklichen Parloir vorbei in das Apartement eingeführt, das vorhin nur
deutschen Prinzen und Grafen bestimmt war, ohne dass ich mich, welches einem
kranken Manne wohl zu vergeben ist, im geringsten darum für distinguirter
gehalten hätte, als vorher.
    Hier war mir nun zwar etwas besser zu Mute, als in dem Sprachzimmer; aber
doch nicht viel. Der Tropfen Tau in der Fabel, der in das Meer fällt, und ich
in Paris, waren ungefähr in gleichem Verhältnisse. Ich stand mit nichts in
Verbindung, als mit dem unbändigen Getöse, das aus den Gassen dieses städtischen
Ungeheuers herauf stieg, gleich einer unsichtbaren Macht durch meine Zimmer
walzte, mir keinen sichern Sitz, kein ruhiges Lager verstattete, und das in
hypochondrischen Stunden - den König selbst, dächte ich - so ängstigen müsste als
mich, wenn er die Gewalt dieses tobenden Stroms mit der geringen Kraft
vergleicht, durch die sie in Schranken gehalten wird. Die Folge war, dass es mir
damit ging wie ihm. Ich horchte und horchte wieder, gewöhnte mich daran, und
schlief ein.
    Als ich den Morgen erwachte, konnte ich nur einen einzigen Bewegungsgrund
finden, noch eine kurze Zeit in dieser Betäubung zu verweilen. Ich gab dem
Triebe nach, der stärker war, als meine Milzsucht, um einen alten Bekannten von
so liebenswürdigen Verdiensten zu besuchen, dass selbst einem Kranken wohl bei
ihm sein kann - ich meine den Baron von Grimm.
Ein Mann, der offenen Markt mit deutscher Treu' und Glauben
Im Angesicht des Louvres hält,
Wie Schlangen klug, und ohne Falsch wie Tauben,
Und Garrick in dem Spiel der Welt,
In dem Geschäft, die Wahrheit zu erkennen,
Von Lockens Geist und von Saumaisens Fleiß,
Doch der den Stuhl nicht nur zu nennen,
Nein! sich auch drauf zu setzen weiß.7
    Ich brachte einige höchst glückliche Stunden bei ihm zu, bewunderte auf's
neue die feine Dienstfertigkeit, die bei ihm der reinste Ausfluss einer
allgemeinen Menschenliebe ist, die von dem redlichsten Charakter, dem
herrlichsten Verstande, der seltensten Erfahrung, und den ausgebreitetsten
Kenntnissen genährt und unterstützt wird.
    Als ich ihn mit dem stillen Wunsche verließ, immer so gute Menschen auf
meiner Wallfahrt zu finden,
