 allen Dingen
beseitigen muss, eh' ich mein Strandrecht benutzen kann. Es ist vorerst
auszumachen, wem die Entscheidung über diese Blätter eigentlich zustehe - Dir -
oder mir? Gehört das Votiv-Gemälde dem Gichtbrüchigen, der es aufstellte, oder
dem Götzen, dem es geweiht wurde? und wirst Du - wenn Letzteres gelten soll -
mir erlauben, das meinige aus Deiner heiligen Halle zurück zu nehmen, um es der
öffentlichen Beschauung preis zu geben? Wie mag ich nur fragen? als ob Du wohl
je noch den Gang einer Sache gestört hättest, die mehr Gutes erwarten lässt als
Böses. - Und dass der Druck mein Tagebuch in diesen voraus bedungenen Fall
setzt, soll Dir gewiss am Ende so stark in die Augen leuchten, dass Du mir
schwerlich Dein - Imprimatur - versagen wirst.
    Den möglichen Ersatz meines verschleuderten Kapitals habe ich, einige Zeilen
höher, schon dargetan, und da der Vorteil für mich dabei nicht zu bezweifeln
ist, so gibt es wohl nirgends einen so beschränkten Pfuscher von
Finanzminister, der nicht hierin seine eigenen Grundsätze erkennen, und meiner
Spekulation das Siegel aufdrücken sollte. Ob aber in solcher der Patriot - für
den Nachteil, den ich durch meinen Müßiggang dem Staate - der Philosoph - für
die Beeinträchtigung, die ich der Moral zugefügt habe - eine eben so auslangende
Entschädigung erwarten dürfe, hätte ich Dir noch zu erweisen; und es ist ein
wahres Glück, dass, trotz aller Dünste, die mir zu Kopf steigen, ich Federkraft
genug habe, so verwickelte Fragen aus einander zu wirren. Patrioten und
Philosophen - ich weiß es - sind krittliche Geschöpfe, und es ist eine wahre
Wohltat von Gott, dass ein unbefangener Autor deren nur wenig antrifft - aber,
ich dächte doch - auch sie müssten einsehen, dass mit meiner Sache wenig oder
nichts anzufangen sei, wenn ich sie liegen lasse, wie sie alleweile liegt: denn
gesetzt, meine Herren, ich ließe die Stunden meines Müssiggangs, mit ihrem ganzen
hässlichen Gefolge, als Schatten eines vergeudeten Lebens, tagtäglich an meinem
Lehnstuhle oder Rechnungstische vorbei ziehen, so kann ihre traurige Procession
doch höchstens nur eine Staubwolke - den vergeblichen Wunsch nämlich bei mir
erregen, dass sie noch zu meiner Zeit gehören möchten! Ihr widriger Anblick kann
mich allenfalls in meinem Vornehmen befestigen, die folgenden, die mir etwa noch
werden, mit guten, nützlichen, wohltätigen Werken zu schmücken, damit nie eine
mehr bei mir vorüberschlüpfe, die mir nicht freundlich und friedlich in die
Augen spiele, und noch im Verschwinden einen Kuss zurückwerfe. Das ist nun zwar
etwas, aber nicht viel. Wollte ich aus schamhafter Empfindlichkeit vollends gar
ihrem Andenken entsagen, und tun, als ob sie nie zu meinem Leben gehört hätten,
so
