 keinen Lumpen von
Winterstaat in meinem Vermögen, und nun ein solches Frühstück in der Aussicht! -
Wo soll in dieser verzweifelten Lage Erwärmung des Bluts herkommen? von der
Wasserseite seines Pinsels oder seines Kaffees? Ich zittere - und, wenn ich es
genau untersuche, weniger vor den Wohltaten, die er mir aufdringen, als vor den
Opfern, die er mir abnötigen wird. Ich sehe mich schon im Geiste gähnend vor
seinem Tische sitzen, indem er ein paar Pappendeckel voll seiner elenden Skizzen
geschleppt bringt, sie bedächtlich aus einander schlägt, kein Blatt überhüpft,
und bei jedem einen Aufruhr meines Erstaunens erwartet; und, wenn nun darüber
eine ganze Stunde zerbröckelt ist - wie er mich, unter schlauem Lächeln, beim
Ärmel fasst - mich der Wand gegenüber in das rechte Licht stellt, und mit Einem
Ruck den grünen Vorhang zurück zieht, um mich durch das Wunder seines neuesten
Gemäldes zu überraschen - und wie er endlich - um das Maß seiner Sünden voll zu
machen - mich bei der Heiligkeit unserer Freundschaft beschwört, ihm offenherzig
meine Meinung über die Kleinigkeit zu sagen, die er mir gezeigt hat. Tät' ich
ihm sein Recht an - so gnade mir Gott! Und doch ist es eine verwünschte
Zumutung, selbst unter vier Augen, mit Verläugnung alles Menschenverstandes das
Machwerk eines solchen Meisters zu loben. In meiner heutigen Stimmung übersteigt
das meine Kräfte. - Es wäre Gewalttätigkeit gegen mich selbst, und ich müsste
wahrlich befürchten, mir meine kalten Krämpfe auf die edelen Teile zu jagen. -
    Wenn man seinem Brauskopfe nur Zeit vergönnt! Nach einem halbstündigen
heftigen Zanke mit ihm, fing er an sich eines bessern zu besinnen, und die Sache
mit der größten Billigkeit abzutun. »Gehen wir ruhiger zu Werke!« sprach ich
mir zu. »Worauf kommt es denn an? Auf Worte ohne Sinn und Bedeutung und ein
wenig Mimik. - Die, dächte ich, könnte ich doch wohl am Hofe gelernt haben!
Warum sollte mir denn das Hauptingredienz unserer Staatsvisiten und Kourtage,
die Sucht nach Schmeicheleien und Lob, in der Werkstatt des armen Passerino
stärker auf die Nerven fallen als dort? und wie konnte es mir einen Augenblick
in den Sinn kommen, diesen liberalen Tauschhandel unserer kultivirten Natur zu
stören, auf Gefahr, mir und meinem alten Lehrer das Morgenbrod zu verbittern?
Verlust und Gewinn liegt jetzt, auf das genaueste berechnet, vor mir - danach
will ich mich richten. Ich werde seinen herzhaften kräftigen Pinsel - Er wird
meinen feinen richtigen Geschmack bis an die Wolken erheben. Ich werde ihn über
Rubens - Er wird mich über Lessing und Winkelmann setzen - jedem übrigens ganz
unbenommen, den andern in Gedanken so niedrig, sich selbst aber so hoch zu
stellen, als es
