 Jungfrau liegt. Indem ich aber, um an den Mittelpunkt zu
kommen, der die freieste Aussicht in das offene Meer gewährt, an den Häusern
hinschlich, die ihn von der Stadtseite her einschliessen, zog auf einmal über
einer der Haustüren eine schwarze Tafel mit goldenen Buchstaben meine
Aufmerksamkeit auf sich. Ich blieb stehen und las:
Zu Ehren unsrer lieben Frau verschenkt
Herr Passerino, der Ex-Voto-Maler,
An jeden Pilger, der, nach ihrem Thron gelenkt,
Ein Dankbild ihr zu weihen denkt,
Das Stück in Öl für einen kleinen Taler.
Auch findet man bei ihm ein seltnes Sortiment
Der meisten menschlichen Gebrechen
In Wachs - Wer deren sucht, und Künstlern von Talent
Und Billigkeit - den Vorzug gönnt,
Beliebe bei ihm einzusprechen.
    Da es mir eigentlich um nichts weiter zu tun war, als die Stunde, die mir
bis zum Mittage noch frei blieb, hinzubringen, und, ohne mich geradezu auf ein
Faulbette zu strecken, von der Ermüdung meiner Wallfahrt auszuruhn, so gab ich
dieser Marktschreierei - und um desto leichter Gehör, je näher sie mit jener in
Verbindung stand, von der ich eben herkam. Du willst doch, dachte ich, die
Freigebigkeit des Herrn Passerino ein wenig näher untersuchen, trat in das Haus,
fragte nach dem Künstler, und kratzte mich gewaltig hinter den Ohren, als man
mich vier Treppen hinauf in jene artistische Höhe wies, wohin diese Herren
gemeiniglich ihre Werkstätte verlegen, wenige ausgenommen, die, wie Mengs,
Dietrich, Grassy und Graff, alle und jede Licht- und Luftstrahlen der Natur
überall an der Hand, und nicht nötig haben, sie erst unter dem Dache zu suchen.
Wirst Du. mich aber für klug halten, Eduard, wenn ich Dir sage, dass ich, so müde
und matt ich auch war, dennoch dem Ex-Voto-Maler in seinem Neste nachstieg?
Entscheide doch ja nichts darüber, bis ich von ihm wieder zurück komme. Denke
nur an den Münster-Turm zu Strassburg. Es sind noch nicht drei Monate, dass ich
seine neun und neunzig Stufen wie ein Narr erkletterte, und wie belohnt - wie
bereichert an neuen Erfahrungen flog ich an der Hand meines Jerom herunter! Wer
weiß was mir mein heutiger Gang einträgt!
    Herr Passerino kam mir an der Treppe entgegen - denn mein Keichhusten hatte
mich schon von weitem bei ihm gemeldet - und empfing mich mit so herzlicher
Teilnahme, als wär' ich eine seiner gebrechlichste Kunden. Ich fand sein
Dachstübchen offen zu meinem Empfange - und an ihm, wie ich recht nachsah, eine
Figur, wie ich sie, doch nicht ganz so hager, schwarzgelb, schmutzig und
pittoresk, erwartet hatte. Seine erste Frage war - und ich
