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Herz tritt, als das Blöken der Menschen, sage noch nicht, dass Du gesund bist,
und werde noch wachsamer über Dich selbst! Überlass Dich auf einige Zeit ganz
jener glücklichen Art von Müssiggange, die mehr Tätigkeit in sich enthält, als
manches Aemtchen im Staate.«
»Wenn von dem Morgenschleier nun
Dein Liebesblick das Land entüllet,
Die Saaten tief im Rauche ruhen,
Der aus der Ähren Blüte quillet,
Und sich Dein Herz mit Freude füllet,
Und Dir es Not wird wohlzutun;
Wenn alles mit Dir lebt und fühlet,
Sich sympatienvoll Dein Fuß
Am Tausendschön vorüber stiehlet,
In dessen Kelch mit Schnellgenuss
Des Lebens - eine Mücke wühlet:
Dein Geist in Harmonie gewiegt,
Kraftvoller durch sein Wohlbehagen
Die Lobgesänge überfliegt.
Die Deiner Zunge sich versagen;
Dein volles Herz die Adern spannt,
Mit Rosenöl die Wangen schminket,
Und von Gefühlen übermannt
Im Strudel der Natur versinket -
Sprich! ob dann besser angewandt
Dir einer Deiner Tage dünket? -
Und will ein Tor, den im Gebrauch der Zeit
Nur Sorgen der Geschäfte quälen,
So fromme Tage für entweiht
Im Laufe Deines Lebens zählen,
So lache der Vermessenheit.
Ein so genossner Tag trägt Samen und gedeiht
Zu guter Frucht in guten Seelen,
Und gibt als treuster Freund zuletzt uns sein Geleit,
Wenn alle andre sich von unsrer Seite stehlen,
Zum Erntefest der Ewigkeit.«
    »Hüte Dich, so viel Du auch Kohlenstaub von Deinem Herde zutragen könntest,
an dem großen Prozesse der Aufklärung mitzuarbeiten; und hüte Dich vor dem
Laster der übelen Laune, damit Du, wenn Deine Hütte brennt, nicht mit Ferngläsern
suchest, wo der Rauch herkomme. - Deine Weisheit lehre Dich, mit den Torheiten
und Schwachheiten der Menschen zu spielen, und ihnen dieselbe Freiheit bei den
Deinigen zu lassen, ohne Misstrauen, ohne Strenge. - Denke selbst, wie rein die
Tugenden desjenigen wohl sein mögen, der andern keine zutraut, da wir doch nur
mit dem Gefühl unsers eigenen Herzens die Bewegungen aller andern verstehen
können? Weise auch nicht gleich jede schalkhafte Leidenschaft, die bei Dir
anklopft, wie einen Bettler von Dir! Der herrliche Wein, der jenes Land
bekränzt, sei Deine Arzenei, das flammende Gesicht des braunen Mädchens Dein
Arzt, und das Spielwerk der Liebe Deine Philosophie!«
    Länger konnte ich vor Ungeduld nicht zuhören. - »Deinen medicinischen Rat
in Ehren und der Moral unbeschadet, lieber Jerom,« brach, ich mit Unwillen gegen
ihn los, »wohin könnten mich Deine Epikurischen Verordnungen nicht bringen? Doch
es hat keinen Anschein, dass ich sie missbrauchen werde. Das Spielwerk der Liebe?
- Sehr wohl! Eben so leicht könntest Du mir die Trommel und das Steckenpferd
meiner Kindheit empfehlen. Wüsstest
