, nicht auch, so gut wie jenes, für eine Unhöflichkeit aufnimmt! Er darf
sein Leben vergeuden; genug, dass er in seinem Testamente jemanden auf das Korn
nimmt, dem er die Mühe und den Schweiß überträgt, die er selbst zu verlieren
keine Lust hatte. Da greift er ohne Bedenken in die Zeit, zu der er doch
eigentlich gar nicht mehr gehört, und setzt seine stinkende Faulheit noch im
Grabe fort, unter der Nase des gutwilligen Narren, dem er seine abgeschüttelte
Arbeit aufgehalst hat. Wenn das sein Haus bestellen heißt, so verstehe ichs
nicht.« -
    O du mein verewigter Lehrer und Wohltäter! unschuldiger Landmann -
unerfahren in den Künsten, die der Luxus erfand, und Fremdling in allen andern
Wissenschaften, als die uns die einfache Natur lehrt; was für ein unseliges
Geschick öffnete dir den Haushalt eines Mannes von Geschmack, und unterwarf
deiner Verwaltung Dinge, die nach ganz andern Regeln beurteilt werden, als nach
den Gesetzen der Oekonomie und nach dem Ausschlage des innern Werts!
    Zwar fanden die wüsten, ausgesogenen Aecker ihren Herrn an ihm, die
abgestorbenen Obstbäume wurden bald durch frische Stämme ersetzt, die dürren
Wiesen gewässert, die verschlämmten mit Gräben durchzogen, und noch grünen die
schönsten wilden Zäune zu seinen Ehren um manche Gras- und Gemüs-Gärten; der
Viehstand erhöhte, die Ernten verdoppelten sich, und die verfallene Brauerei
öffnete den armen Bauern eine Labequelle, die seit vielen Jahren vertrocknet
war. Alles kam nach seiner Anweisung in Tätigkeit, Fülle und Segen überströmte
die Scheuern und Böden seines Mündels, und Mut und Kraft kehrten in die
erneuerten Hütten seiner Untertanen zurück. So sichtbar auf dieser Seite seine
vormundschaftlichen Verdienste waren, wie sehr wurden sie nicht auf einer andern
durch die Missgriffe verdunkelt, die er in dem Schloss des Erblassers mit
ehrlicher Unbefangenheit tat! Unerkannte Sünden, die ihm aber ein Verehrer der
Kunst, ein Kenner des Schönen, ein Nachtreter Winkelmanns, so wenig vergeben
wird, als sie ihm sein Mündel vergab - -
    Hier aber, Eduard, muss ich eine Pause machen, denn ich halte es nicht länger
aus. Es gehört eine eigene Geduld dazu, seine Feder den Worten oder Gedanken
eines andern zu leihen. Man weiß nicht, wo man seinen eigenen Kopf dabei hintun
soll. Nein! in der ganzen Natur gibt es keine so widrige Handarbeit, als die
eines Kopisten. Ich finde das Holzhacken nicht so undankbar und um vieles
origineller. Zehnmal kam ich in die Versuchung, um mir den Weg zu verkürzen, ein
müssiges oder schleppendes Wort wegzulassen, oder es mit einem aus meinem Gehirne
zu vertauschen, und die Sache ungefähr so zu behandeln, wie gewisse
Schriftsteller, wenn sie aus anderer Büchern ein eigenes schreiben, oder wie
