 Seele und ein so voll zugemessenes Vergnügen mit, das
ich nicht beredt genug bin Dir zu beschreiben. Die Nacht - sagt das Sprichwort -
ist keines Menschen Freund! Aber nach dem Schluße eines solchen Tages ist
sie's, und sie war es mir heute mehr als jemals.
    
    Wie könnte dem des Schlafs Erquickung mangeln,
     Den der Gedanke wiegt: Er, ohne den kein Haar
     Von deinem Scheitel fällt, dreht noch unwandelbar
     An Kräften und Gewicht, die Welt in ihren Angeln!
     Dir schloss die Sonne nicht in ihrem Tagelauf
     Ein neu entdecktes Tor der Offenbarung auf,
     Erfüllte nicht dein Herz mit neuen Glaubenssorgen,
     Und gab, aus einem Sturm, der Tausende zerstreut
     Und Tausende verschlang, geborgen,
     Dir einen Freund zurück aus deiner Jugendzeit,
     Und dieser Freund - umarmt dich morgen!
    
    
    Ich lächelte aus dem Gefühle der innigsten Zufriedenheit, als ich mein
Deckbette über mich warf, wie ein Mensch, der einen verwickelten Prozess
gewonnen; und dies Lächeln schwebte mir noch um den Mund, als mich, nach
genossener Ruhe, die Ankunft meines Freundes und Ratgebers weckte.
    Ich hebe Dir von dem süßen Geschwätze, das mit ihm kam und den Morgen
ausfüllte, dasjenige aus, womit er mich als Arzt abfertigte. - »Du hast,« sagte
er ernstlich, »viele Umwege genommen, um Dich von der Natur zu entfernen: jetzt
nimmt sie - und es kann Dich wundern? - eben so viele, ehe sie sich wieder zu
Dir findet. Du hast über Dein eigenes Selbst hinweg, starr auf die Menschen
gesehen, bis es Dir vor den Augen flimmerte. Du hast gelesen, gelesen, bis Du
Dich selbst nicht mehr verstanden hast. - Du hast so viel über das Leben und
Weben des Erschaffenen nachgedacht, bis Du am Ende nicht wusstest, Dich in Dein
eigenes Dasein zu finden - hast Schlüsse an Schlüsse gekettet, und so fest um
Dich her geschlungen, dass Du keinen Schlupfwinkel mehr vor Dir siehst, durch den
Du ungedrängt und unbeschädigt Dich retten könntest. Törichter, törichter
Freund! - Und um so hohe Vollkommenheiten zu erlangen - was hast Du von dem
Deinigen darauf verwendet? Das größte Gut, das die Natur geben kann -
Gesundheit! - In ihr liegt die wahre Weisheit. Dein Kopf ist geschwächt, Dein
Magen verdorben, Deine Brust ausgetrocknet, Dein Eingeweide zusammen gezogen,
und Dein Puls in Unordnung. - Und Du verlangst mit dieser knarrenden,
verstopften, schwerfälligen Maschine menschliche Pflichten erfüllen zu können?
Wie will so ein elendes Geschöpf ein nützlicher Bürger, ein tätiger Freund, ein
gütiger Hausherr, ein zärtlicher Ehemann und ein Vater munterer und gesunder
Kinder sein? Zu welcher Rolle auf dem Theater der Welt ist so eine verrostete
Puppe geschickt
