 »Weil dies Produkt unsrer Gegend, wie Sie auch selbst finden werden,«
antwortete er, »so vorzüglich gut ist, dass es uns die reichen Marseiller
verteuern würden, wenn die Ausfuhr davon erlaubt wäre. Indes können Sie doch
bei meinem Vetter, dem Wirt im heiligen Geiste,« flüsterte er mir in das Ohr,
wie er mich an den Wagen begleitete, »täglich so viel davon bekommen, als Sie
nur wollen, wenn es Ihnen einerlei ist, es unter einem andern Namen zu essen.« -
»Es wird doch nicht eingesegnet?« sagte ich lächelnd, dankte ihm für die gute
Anweisung, die er mir gab, fuhr nun um vieles besser gestimmt durch die leeren
Gassen, und hoffentlich zum letztenmale bei dem dummen Minoritenkloster vorbei.
Gott gönne, rief ich noch, der Asche des Verfassers
Der Judenbrief' in klügern Mauern Ruh! -
Und flog nun, wie ein Strom lang' aufgehaltnen Wassers,
Dem lustigen Marseille zu.
    Ich flog, wie ich nur erst die Vista erreicht, und die große Handelsstadt
und den Spiegel des Meers vor mir liegen hatte, durch das reizendste Land, das
sich die schwelgerischte Einbildungskraft nicht schöner zu malen im Stande ist.
Schade nur, dass es nicht unter dem Zepter des großen Freigeists steht, wie jene
geweihten Zwerge ihn schimpfen! Wie würde Friedrich dieses Feuer der Natur,
dieses fruchtbare Klima, diese Weizenfelder und Oelgärten, und die Kräfte dieser
bräunlichen lebhaften Menschen benutzen, die jetzt bald von diesem, bald von
jenem verdammten Heiligen ihrem Tagewerke entrissen, und, in Processionen
zusammen getrieben, aus einem Narrenfeste in das andere zu Grabe gehetzt werden!
    Das stärkende Brod, unerachtet ich keinen Brocken davon verstreute, konnte
mich doch nicht ganz über die Besorgnis beruhigen, dass ich Marseille nicht
zeitig genug erreichen würde, um in dem heiligen Geiste noch einen gedeckten
Tisch zu finden. Ich betrog mich zu meinem Vergnügen. In einer Seestadt, wo kein
Wind bläst, der nicht den Speisewirten einen Trupp Ausgehungerter zuführt,
finden alle Nationen, zu allen Zeiten des Tags und in jedem Gasthofe, die
Einrichtung einer Feenwirtschaft. Unzählige dienstbare Geister nehmen den
Ankömmling in Empfang. Immer fertige Gerichte rauchen ihm entgegen, und keiner
verlässt den Speisesaal, der nicht in seinem Kauterwälsch Gott für die sinnliche
Freude der Sättigung, und für das bängliche Leben, dankt, das er ihm wieder um
einen Tag fristete. Um wie viel klüger kam ich mir vor, dass ich mich weder durch
den Hunger, noch durch die Tischgesellschaft in Aix hatte verführen, und um den
mannigfaltigen physischen und geistigen Genuss betrügen lassen, den mir hier eine
neben dem Weltmeere errichtete Tafel - den nur die verschiedenen Sitten,
Trachten, Gesichter und Zungen versprachen
