 ehrlicher Mann, bei den unaufhörlichen
Beschleichungen dieser Weltverbesserer, die sich in ihren Wirbeln immer selbst
durchkreuzen und gegen einander anstossen, nur einen ruhigen Augenblick finden,
wenn sie nicht, nach Art der Spinnen, das Gute an sich hätten, dass sie eben so
geschwind, als sie anrücken, in ihre Höhlen zurück kriechen, sobald man sie nur
von fern mit der Spitze des Fingers berührt? Es gibt kleine Wendungen - ich
will Dir einige angeben - die auf solche vorlaute Klüglinge nachdrücklicher
wirken, als Bücherverbote. Wenn der eine lange genug über die Anmassungen der
Fürsten, und über die Stelzen, auf denen sie sich über uns erheben, gefaselt -
der andere ihre häufigen Missgriffe bei der Wahl ihrer Staatsdiener aufgezählt -
der dritte die Erschlaffung in ihren Regierungsgeschäften auf das genaueste
entwickelt hat; wenn jener Schwätzer sich mit gelehrtem Anstande in seinem
Lehnstuhl festsetzt, um desto bequemer seine philosophische Hitze an dem
kalterzigen Regententross zu verblasen; wenn dieser ihren festlichen Müßiggang
mit schelen Augen verfolgt, die Backen voll nimmt, um ihr Eigentum als einen
Raub zu verschreien, den ihre ritterlichen Ahnherren an dem gemeinen Wesen
begingen, oder wenn er ihnen zumutet, Rechnungen abzulegen, die durch Gottes
Zulassung längst schon geschlossen sind: so ergreift mich die Ungeduld - so
schlage ich mich endlich ins Mittel, nehme den einen und nehme den andern bei
der Hand, und führe ihn, Treppe auf Treppe ab, in seinen eigenen verschobenen,
lächerlichen oder zerrütteten Haushalt zurück, begleite ihn in das Putzzimmer
oder Schlafgemach seiner Gebieterin, oder in die Kerkerstube seiner Knechte und
Mägde - schlendere mit ihm seinen verfallenen Scheuern oder verwilderten
Krautäckern zu, gehe das Inventarium seiner Wäsche durch, frage ihn, wie seine
Vorältern zu dem Zehenten kamen, den sie ihm vererbten, und durch welches Recht
Er mehr Spielraum einnimmt als ein anderer, der eben so breit ist als er? Den
Grämling endlich, der alle Kron- und Erbprinzen zu Missgeburten menschlicher
Torheit herabwürdigen, seine Beherrscher wählen, oder zu seinem Idol eine Hyder
aus den klügsten Köpfen des Volks - den seinigen jedoch mit eingeschlossen -
zusammen setzen möchte, dränge und treibe ich durch das Labyrinth seiner
Sophismen nach Berlin, zu den Füßen unsers Monarchen. Sein Dasein ist schon
allein die beste Verteidigung der Erbfolge. Die klügste Wahl hätte nicht
väterlicher für uns sorgen können, als hier die Natur, die aus dem Urstoff so
mancher lieblosen, stolzen und schwachen Ahnherren endlich einen König
destillirt hat, der, gut, selbstständig und groß, alle Herrschertalente
vereinigt - der, mit dem feinsten Gefühl begabt, zu jedem Übel das Gegenmittel
zu finden, nie einen stärkeren Hebel gebraucht, als die Last erfordert, die er
wegschaffen soll. Dieser Brennpunkt, der meine Blicke immer wieder sammelt
