 außerordentlich billig gegen die Fehler, die ich an ihrer Person oder
Regierung bemerkte; denn meine eigene Demütigung machte es mir unmöglich, sie
anders als mit der Art von Mitleiden zu betrachten, die ein Hektikus für seinen
Bruder empfindet, der Blut speit. Es wird Dich vielleicht Wunder nehmen, Eduard;
aber ich mochte im Verfolg meiner Visiten unsere größeren oder kleineren Herren so
genau mustern so als ich wollte, ich zählte immer mehrere, unter deren Zepter
oder Krummstabe es sich leidlich genug leben ließ, und die, selbstständig, der
Ehre, die wir ihnen erzeigen, so ziemlich wert sind, ehe ich Einmal unter
zehnen auf einen traf, bei dem man, wenn man ihn auch, wie viele andere Dinge,
mit Respekt nennt, es doch so unmöglich findet, einen festen Gedanken zu fassen,
wie bei einem Polypen. Da sich der Hauptstock dieses Sumpfgewächses ohne den
Inbegriff der kriechenden, schlüpfrigen und wurmstichigen Saugarme nicht denken
lässt, die ihn zum Polypen erheben - und hinwiederum diese zu keinem edleren
Dienste bestimmt sind, als die unreinen Nahrungssäfte, die sie einschlucken, dem
regierenden Klumpen zuzuführen, um sein Pflanzenleben durch die Mechanik des
ihrigen zu erhalten; so gibt das Ganze kein unebenes Sinnbild eines solchen
Fürsten und seines Hofs. Was kann man mit einem so begabten Zwittergeschöpfe
anfangen, als dass man es stehen lässt, so lange Gott will? Denn gesetzt, Du
nähmest auch das Lebendigste, was an ihm ist - seine Auswüchse, unter die
Scheere, so wird doch für den einen Ast, den Du heute absonderst, morgen ein
anderer wachsen, der vielleicht noch häklicher ist, als der erste. Dieses
Mittelding von Tier und Pflanze wird, wie die Regenten die ihm gleichen, in
unserm kultivirten Vaterlande immer seltener, und bald wird die fortschreitende
Zeit den Deutschen Boden ganz davon gereinigt haben. Auf dem Platze, den solche
Pigmäen aussaugen, werden sich große, selbständige Bäume erheben, die durch
ihren schattigen Umfang alle Schmarotzer- und Wucherpflanzen ersticken,
veredelte Früchte tragen, und guten Samen über das Land streuen, das ihren
Wachstum befördert.
    Gott segne diese prophetischen Worte! Sie entfliessen so leicht einem
patriotischen Herzen, und klingen so schön in dem Munde eines Untertanen des
Römischen Reichs, besonders, wenn er sie seinem Oberhaupte in einem
Französischen Gasthofe zuruft. Auf alle Weise enthalten sie besser geordnete
Empfindungen, als das bittere Gewäsch jenes politischen Geschmeisses, das nicht
müde wird, die angeborenen Rechte seiner Beherrscher zu benagen, ihren ererbten
Stand lächerlich zu machen, und ihren Glanz zu besudeln. Wie oft empört mich die
Zudringlichkeit dieser boshaften Tadler, die den Großen der Erde keine
Entschuldigung hingehen lassen, selbst die nicht, die in ihrer menschlichen
Natur liegt! Wie wollte ein
