 wohltätigen Absichten, diese Beschimpfung deiner Natur noch dauern! Wie
lange wird noch der Bürger seine kostbare Zeit, der Landmann seine nützlichen
Kräfte, der Tagelöhner den kleinen Erwerb seiner wenigen übrig gelassenen
Arbeitsstunden, an den Putz einer Wachspuppe und das Wohlleben ihrer
Götzendiener verschwenden - in seinem Hause das Licht - auf seinem Herde das
Feuer ersparen - um durch eine verdienstliche Finsternis der ewigen Lampe Öl zu
verschaffen! Wie lange werden die Sklaven der Andacht das Mark ihrer Söhne gegen
ein geweihtes Todtenbein vertauschen, und mit dem Geruche seiner Heiligkeit ihre
Schlafkammern verpesten! Wie lange noch, großer barmherziger Gott! werden die
Unsinnigen für die baldige Entwicklung ihrer Töchter alle Heiligen anrufen, um
ihre ersten Blüten dem ehelosen Mönche zu opfern, der jedem frühen Gefühl eines
erwachten Herzens noch früher entgegen kommt, jede aufkeimende Frucht wie ein
Raubtier bewacht, und alle Erstlinge der Natur und des Fleißes als sein
Eigentum ansieht! Durch, ach! wie viele Menschenalter - rief ich mit gepresster
Brust - wird dieser schwere Übergang zur Wahrheit und Freiheit noch zögern! -
Und wie ich so sprach und meine Augen zu Gott erhob, vergüldete die ewige Sonne,
zum letztenmal heute, die steinigen Hügel. Ich schrieb noch im Glanze des
Abendrots folgende Gedanken in meine Schreibtafel, aus denen Du sehen wirst,
dass ich nicht umsonst das Wirtshaus zum Propheten besucht habe - überblickte
noch einmal diesen so schönen und so gemissbrauchten Erdstrich - und winkte nach
meinem Wagen.
Als hätte die Natur im Bilden
Mit Liebe länger hier verweilt,
So ganz hat diesen Lustgefilden
Sich ihre Schönheit mitgeteilt:
Doch Mönche kamen und zertraten
Den Plan der fröhlichen Natur,
Und auf dem Umkreis ihrer Saaten
Herrscht Gleissnerei und Armut nur.
Trajan entlockte Fleiß und Leben
Hier diesem Felsen - diesem Hain,
Und Berge luden ihn voll Reben
Zum Jubel guter Fürsten ein.
Ihr Fluren, die ihr freundlich blühtet,
Als Jupiter noch auf euch sah,
Wie traurig liegt ihr, abgehütet
Von päpstlichem Gesindel, da!
O, Land, das nur den faulen Bäuchen
Der Mönche zu Gebote steht,
Und, mit abgöttischen Gebräuchen
Belastet, - schwankt und untergeht!
Ach, warum hat, ruft meine Stimme,
Gott seinen Blick von dir gewandt?
O du, der Hirnwut und dem Grimme
Der Heiligen verratnes Land!
Wo Priesterstolz und Aberglaube
Wie Mehltau eine Gegend trifft,
Verdorrt die Saat, verwelkt die Traube,
Und aus dem Oelbaum rieselt Gift.
Besangen wohl des Landmanns Lieder
Sein Glück an einem Erntetag
In Argos Tälern, eh die Hyder
Dem Arm des Rächers unterlag?
Hier heißt die Tugend eine Bürde;
Der Weisheit selbst wird hier geflucht,
Die nicht in Klöstern - Menschenwürde,
Nicht Trost am Tisch des Gauklers sucht:
Bei Ihm - der Felsen abzuründen
Verspricht,
