 war ich damals von dieser trostreichen Aussicht. Ich glaubte in meiner
fruchtlosen Bemühung keinen andern Beweis zu finden, als den: dass nicht allein
die Legende der verewigten Klara erlogen, sondern alle und jede Verjährungen
Eures Glaubens nicht bündiger zu beweisen sein möchten, als die Steine der
Klara.
    In diesem Aufbrausen eines schwachen Gehirns trat ich vor die herrliche
Sammlung der geistreichen Schriften, die den größten Schmuck dieses Hauses
ausmachen. Ich spottete ihrer Titel als Prahlereien eines heuchlerischen Stolzes
- schalt den Inhalt, den sie ankündigten, als Verirrungen des menschlichen
Geistes - entschloss mich das Lehrgebäude niederzuwerfen, das sie aufstellten,
und diese Stützen des Glaubens mit dem Übermute eines Heiden dem Pagoden
meines Kamins zu opfern.
    Aber in diesem Augenblicke schienen alle Heiligen mit Erbarmen auf mich zu
blicken - mit Erbarmen gegen ein Herz, das in seinem Drange nach Wahrheit sich
bis an diesen Abgrund verlaufen konnte. Ich fühlte dass mein Schutzgeist zurück
kam. Meine Wünsche, ohne mich zu verlassen, nahmen jetzt einen richtigern Gang,
und meine Empfindungen veredelten sich. Mitten in dem Entsetzen, das mich nun
über die hässliche Gestalt ergriff, unter der die Tat, die ich auszuführen im
Sinne hatte, auf die Nachwelt übergehen würde, entdeckte ich neben dem finsteren
Wege, den ich einschlagen wollte, jene feine Scheidungslinie zwischen Recht und
Unrecht, die gemeine Richter so leicht und nur zu oft übersehen. Was ist der
Mensch ohne eine höhere Leitung! und wie so nahe gränzt das Laster an die
Tugend! Ihr, die Ihr schon längst über das Bewusstsein der Seele, über die
Beruhigung des Gewissens nachgedacht habt - Ihr, die am Feste des heiligen
Crispinus mit flammenden Worten Euren Gemeinden so deutlich als mit dem
Beispiele Eures Lebens beweist, warum sein Raub, statt ihn auf den Richtplatz zu
bringen, ihn unter die Zahl der Seliggesprochenen versetzt hat, mein Herz
schmiegt sich an das Eurige, und sucht seine Lossprechung in Euren Lehren. Ihr
werdet ohne Mühe begreifen, wie dieselbe Tat, die mich einige Minuten zuvor als
einen Verbrecher würde gebrandmarkt haben, nur durch gute Absicht geleitet,
durch fromme Bewegungsgründe geheiliget, sich zu einer unschuldigen,
zweckmässigen und löblichen Handlung umbilden konnte. In dem höchsten Unwillen
über mich selbst, nahm ich jetzt die ungerechten Schmähungen zurück, die ich
wider Männer auszustossen mich erfrecht hatte, denen ich die Schuhriemen
aufzulösen nicht wert war, und betrachtete sie, wie ich sie immer hätte
betrachten sollen, als eine Gesellschaft, die der große Zweck vereinigt hat
Gutes zu stiften, und segnete sie als Wohltäter des menschlichen Geschlechts,
die noch Samen über ihre Gräber streuten zu ewigen Ernten. Haben sie nicht,
befragte sich meine gerührte Seele, indem ich eine ganze Reihe ihrer
unsterblichen Werke umarmte, ihre Nächte
