 Irrtums geschützt ist - welcher Richter mag
es, nach Euch, noch wagen ein Urteil zu fällen?
    Doch wohin verführt mich meine eigene schreckhafte Vorstellung? Verzeiht es
einem beängstigten Fremdlinge - verzeiht es mir, dass ich nur einen Augenblick
von einer Gefahr träumen konnte, gegen die Euch Eure Kenntnisse, Eure
Menschenliebe und Eure Redlichkeit waffnen. - Heil mir! Ich stehe nicht vor so
gemeinen Richtern, denen schon das Eingeständnis einer zweideutigen Handlung
Beweis genug von der Strafbarkeit dessen ist, der sie beging. So leicht auch die
hinreissende Beredsamkeit meines feurigen Anklägers ein minder behutsames
Tribunal bis zu diesem Fehlschlusse verleiten könnte - bei Euch wird sie keinen
andern Erfolg bewirken, als den, der ihren reinen Absichten am angemessensten
ist. Je vollkommener seine fürchterliche Anklage wider mich da steht, desto mehr
wird sie Eure prüfende Aufmerksamkeit schärfen, und Eure Großmut nur desto mehr
reizen, das Mangelhafte meiner Verteidigung zu ersetzen, und den Schwachen und
Ungeübten gegen den Stärkern in Schutz zu nehmen. Gegen den Stärkern in Schutz
nehmen, sage ich? Bin ich es denn nicht dem Ruhme meines Gegners schuldig, zu
glauben, dass er selbst, während der Entwickelung der Triebfedern meiner
Handlung, die stufenweise Abnahme seines Widerstandes redlich erkennen, meine
Rechtfertigung unterstützen, und gern einem erwarteten Sieg entsagen werde, da
er den Feind nicht fand, den er zu erlegen gedachte?
    O möchte doch dieser innere Vertrag redlicher Seelen, dieses
stillschweigende Einverständnis, das unter uns beiden besteht, zur Ehre der
Wahrheit allen ihren Verfechtern voraustreten! Möchte die Welt immer nur so edle
Streiter gegen den Irrtum auf dem Platze sehen, die eines solchen Kampfes wert
sind!
    Meine Rechtfertigung bedarf keines Schmuckes. Sie ergibt sich aus der
einfachen Darstellung meiner Denkungsart, und liegt offen in meiner Geschichte.
Ich verließ mein Vaterland, das von einem zwar mächtigen, aber leider
ungläubigen Könige beherrscht wird. Ich verließ es mit dem Vorsatze, der alle
Reisende leiten sollte, Wahrheit und Weisheit in den Ländern aufzusuchen, in
denen in unsern Tagen diese Vorzüge so einheimisch wären, wie sie es vormals in
Rom und Griechenland waren. So irrte ich von einem Gebiet in das andere, immer
getäuschter in meiner Erwartung, bis ich endlich die glückliche Gegend des
Komtats, und in ihm das Ziel meiner Befriedigung erreichte. Welch eine Weide für
mein leibliches und geistiges Auge! Mit jedem Fortschritte wuchs mein Erstaunen.
Gebahnte Straßen neben grünenden Auen, die mit dem bunten Gemische weidender
Herden belebt waren - unabsehliche Flächen mit Saaten geschmückt - Berge mit
Reben - Hügel mit fruchtbaren Bäumen bepflanzt - ruhige, freundliche Dörfer -
prächtige Städte, mit frohen, glücklichen Menschen besetzt - Liebe und Treue auf
allen Gesichtern - und dieses große herrliche Gemälde von einem immer heitern
Himmel umwölbt.
