 Doch wie? was sagt mir diese bedeutende
Errötung? Wie, Klärchen?« fuhr ich heimlicher fort, indem ich ihre bebende Hand
an mein Herz drückte, »so wären sie nicht alle verlöscht? Ihr viel sagendes
Stillschweigen, Klärchen, liebes Klärchen! zu welchem verwegenen Gedanken muss es
mich nicht berechtigen? Doch es sei darum! Mag der Schwarzkünstler sein letztes
Kreuz noch so versteckt haben - ich hoffe, es zu finden und zu tilgen.« - Und
indem ich sprach, sehnten sich meine lüsternen Augen nach dem Anblicke der
heiligen unverhüllten Natur - mein Kunstgefühl stieg auf's höchste, und
arbeitete, wie es alle menschlichen Kräfte tun - nach Beruhigung. - »Um der
elf tausend - Jungfrauen willen, mein Herr,« rief nun das höchst erschrockene
Kind, »nimmermehr! und wenn Sie Bischof - und wenn Sie Papst wären - Sind Sie
von Sinnen, mein Herr? Was verlangen Sie?« - »Dich, Dich Klärchen,« rief ich
entschlossen, »nur Dich in Deiner ganzen Wahrheit und Unschuld! Glaubst Du denn,
dass mich der heilige Vater gesandt hat, Dich einzukleiden? Weißt Du nicht mehr,
was alles das Urteil besagt, das Du Dir selbst bei unsern Schiedsrichtern
geholt hast?« - Diese Erinnerung kam zu rechter Zeit. - »Ach, wie konntest du,
Pater Lessau,« schluchzte sie nur noch, »wie konntest du, Pater Bauny, so etwas
gut heißen?« - Und sie sträubte sich nun wie ein gehorsames Kind. In einer
bänglichen Minute kam sie errötend dem schlafenden Engel - in einer andern dem
Ablassbriefe vorbei - und immer näher dem Sopha - und nun - Doch Freund, was
erschöpf' ich meinen Atem in alltäglicher Prosa? Ist die Größe und Seltenheit
meiner Erfahrung in dieser feierlichen Stunde - ist sie nicht mehr wert? und
kann es Bilder geben, die des Firnisses der Dichtkunst würdiger wären, als die
Hingebung einer Heiligen in das allgemeine Schicksal der Schönheit? So denke Dir
denn, lieber Eduard, die beängstigte Heilige, denke Dir Klaren, kurz vor dem
Hintritte in den Freistaat der Natur, dicht neben mir auf dem traulichen Sopha -
Mit schnellern Schwingen schien mein Traum,
Als selbst der Gott der Zeit, zu fliegen.
Das Chor begann, die Glocken schwiegen
Und unsre Tante mochte kaum
Am Schämel ihres Götzen liegen,
Als meine Kusse schon den Raum
Des Aeters teilten, und den Saum
Von Klärchens Halstuch überstiegen.
Sie flatterten dem Silberschein
Der Brüssler Kanten - wie die Mücken
Dem Lichte, zu, voll Sorgen in die fein
Gesponnenen Verräterein
Die Flügelchen nicht zu verstricken,
Und schwirrten auf und ab, und flogen aus und ein,
Bis es dem Schwarm gelang,
