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    Dann beschäftigten seine Gedanken sich mit dem Hrn. v.G..., den er nun
persönlich sollte kennen lernen, nachdem er schon lange im Briefwechsel mit ihm
gestanden. -
 
                               Der Herr von G...
Dieser Herr v.G.. war ein Greiss von achtzig Jahren, der Hartknopfs Vater gekannt
hatte, und den Sohn zum Prediger berief. -
    Er hatte schon lange seine Gattin und Kinder überlebt - so dass alle seine
Gedanken den irrdischen Sorgen entrückt waren, und sich nun mit etwas jenseit
beschäftigten, dass sie nicht fassen konnten. -
    Nichts konnte sich wohl mehr entgegengesetzt scheinen, als die Meinungen
Hartknopfs und des Herrn v.G...
    Der Herr v.G.. war für das Leichte, Auf lodernde, Himmelanstrebende. -
    Hartknopf für das Schwere, sich niedersenkende, in sich selbst ruhende. -
    Der Herr v.G... liebte die Pyramidalform. -
    Hartknopf den Kubus. -
    Und doch trafen beide immer in gewissen Punkten zusammen. -
    Dann war es, als ob sie sich über einem Abgründe die Hände reichten. -
    Der Hr. v.G.. hatte von seiner Jugend an mystische Schriften gelesen, und
seine ganze Denkart hatte dadurch eine gleichsam zugespitzt Richtung bekommen,
sie eilte immer zu früh dem Ende zu, ehe sie noch die Fülle gefasst hatte. - Das
Fassende erhielt dadurch eine gewisse Einengung, worin Bäume, Pflanzen und
Tiere nicht Platz finden konnten.
    Das Körperliche blieb ausgeschlossen - das Geistige schwebte oben. -
    Zwischem dem, was zusammen gehört, und sich nach einander sehnt, war eine
Kluft befestiget, die der Hr. v.G.. nicht sähe, weil er selber in dieser Kluft
stand. -
    Hartknopf zog einen Brief des Hrn. v.G.. aus der Tasche, den er ihm nach
Erfurt geschrieben hatte, und las ihn noch in dem Fichtenwalde durch, da er
sich, an einen Stamm gelehnt, ein paar Minuten ausruhte. -
    Er wollte die gewohnten Züge seiner Hand erst wieder vor seinen Augen
erneuern, eh' er den Mann persönlich sah. -
    Die Buchstabenschrift des Hrn. v.G... flammete, wie sein Geist in die Höhe -
wodurch aber der Nachteil entstand, dass die untere Zeile oft in die obere
eingrif, und die Züge sich untereinander verwirrten.
    Hartknopfs Buchstaben standen mehr senkrecht in dichtgeschlossener Reihe
aneinander - so dass auch die Wörter sich fast zu nahe aneinander drängten, und
oft eine ganze Zeile wie ein einziges Wort aussähe. -
    Der Brief des Hrn. v.G.. an Hartknopf lautete also:
    »Da mein bisheriger Prediger in Ribbeckenau am 8ten dieses gestorben ist, so
lasse ich
