, Guteit und Großmut sei Adel der Seele, der jedem
guterzogenen Frauenzimmer eigen sein müsse? - Aber warum verstehen denn diese
Tugenden so Wenige? - Warum knikte man denn mein Herz nur um desto grässlicher
zusammen, je mehr es seine Güte blikken ließ? - O noch viele Warum könnte ich
über diesen Punkt hersetzen! -
    Ich bin eitel genug, es Deiner Einsicht in meinen moralischen Charakter
zuzutrauen, dass, wenn Du mich auch nicht lieben dürftest, Du dennoch mit
entusiastischer Freundschaft für mein Wohl sorgen würdest. - Die übrigen
Menschen sahen bei mir immer auf meine Außenseite, die ihrer Eitelkeit Genüge
leistete, und nie auf meinen innern Seelen-Wert, auf meine Begriffe von Liebe,
von Großmut, von edlem Stolz, von Uneigennüzigkeit; danach fragte die Welt
nicht. - - Das gebeugte Wesen, das mich bei allem Schein meines Leichtsinns doch
oft genug überfiel, hielt man für Heuchelei und Affektazion; meine Schwermut
vom Schicksal in's Herz gedrükt, für Ziererei; meine Guteit, für Unbesonnenheit;
meine Sanftmut für Empfindelei; alles, was mir Pflicht schien, wurde mir für
Torheit angerechnet; der bloße Schein für wirkliches Laster. - -
    Ich bekam eine Gemüts-Krankheit, und es gefiel mir nicht mehr in einer
Welt, wo man mich so sehr misskannte, nur zuweilen überlies ich mich aus Verdruss
einer Lebhaftigkeit, die mir den Schein einer Welt-Puppe gab, und doch ächzte
mein Herz im Stillen nach Liebe, nach Tugend. -
    Hier hast Du wieder einen Teil von einem aufrichtigen Geständnis, dessen
sich so viele Weiber mit ihren zur Reue unfähigen Herzen schämen würden. - Wenn
der Allmächtige einst nur den bösen Willen des Menschen straft, dann wohl mir,
ich darf mit allen meinen Schwachheiten vor ihm erscheinen! - - Nun muss ich
Röschen entgegen eilen, um zu erfahren, ob sie mir keine Nachrichten, oder sonst
etwas von Dir bringt? - - - -
                                                                     Nach Tisch.
Ja wohl, Fritz, ist Etwas von Dir angekommen! - Etwas dass meine ganze Seele
zerreißt!!! - Ich will Dir demungeachtet, wenn es anders möglich ist, ohne
Leidenschaft antworten. - Will nicht alle Stükke ahnden, mit denen Dein
argwöhnischer Bruder mein Herz zerreißt; will nicht ahnden, dass er Dich für
einen Dummkopf hält, der in drei Vierteljahren Umgang kein Herz zu studieren im
Stande ist; will nicht ahnden, dass er selbst ein Teufel in der Verstellung sein
muss, weil er Andere dafür hält! - Kurz, mit diesem Klatschmaul, will ich
durchaus nichts zu tun haben, weil er mich Deiner unwürdig hält. - - Traut er
mir nicht, so traue ich ihm nicht. - - Dein Bruder muss eine Frazze
