
Frauenzimmer, denen es selbst an Welt-und Menschenkenntnis fehlt, junge Seelen
bilden? - Wie können sie in jungen Mädchen Leidenschaften erforschen, wenn sie
über ihre eigenen nicht nachdenken dürfen? - Wie können sie die rohe Natur in
Kindern zu verfeinern suchen, wenn sie die Stimme derselben in sich selbst
erstikken und mit übertriebener Selbstverläugnung brandmarken müssen? Wie können
sie das Temperament eines Kindes nach seiner gehörigen Art zur Tugend ordnen,
wenn in ihren eigenen Köpfen nichts als Rohheit, verwirrte Leidenschaften und
wütender Gähzorn herrscht? - Unzufriedene Menschen sind überhaupt mürrisch, und
unfähig das zarte Herz eines weichen Kindes zu bilden. Wie viele zufriedene
Nonnen haben wir denn, denen es nicht an Geduld zur Erziehung fehlte? - Diese
Eigenschaft, die, nebst eigener Erziehung, zu diesem Geschäfte höchst nötig
ist, mangelt den Nonnen vorzüglich. - Das wenige Menschengefühl, das sie ins
Kloster bringen, wird durch Vorurteil unterdrükt, verdorben, oder gar
ausgerottet; - und im Gefühl liegt doch der größte Keim der Tugend. - Aber um zu
fühlen, muss man zuerst denken lernen, und um gut zu handeln, muss man fühlen
lernen. Es ist ein wahres Elend, wenn man die an Seel und Sitten schwachen
Klosterkostgängerinnen betrachtet. - Unerfahren, steif, blöde, ohne Herz, ohne
wahren Begriff von Gott, ohne Menschenverstand, schüchtern wie Hasen, trippeln
sie mit abgemessenen Schritten, in der Schule umher. Jeder Keim von aufsteigendem
Wiz wird in diesen Schülerinnen zurückgeschrekt. - Die Lebhaftigkeit der Kinder
wird in tükkisches Wesen verwandelt. - Sie lernen heucheln, lügen, sie lernen
sich aus sklavischer Furcht verstellen, sie lernen Falschheit und Bosheit. - Man
spricht den Kindern von Lastern, und öffnet ihnen dabei den Weg, darüber
nachzudenken. Man lehrt sie die Mannspersonen ohne Ausnahme verabscheuen; Liebe
zu ihnen schildert man den jungen Zöglingen als Verbrechen. Sie lernen dieses
Geschlecht nicht anders als mit Vorurteil kennen; bleiben von ihm entfernt so
lange die Natur schweigt, überlassen sich dann aber desto zügelloser den
Schmeicheleien der Stuzzer, wenn sie in die Welt tretten, und nehmen in ihrer
Leichtgläubigkeit das für baare Münze an, was ihnen jeder Gek vorlügt.
Unerfahrenheit, Neuheit, wachsende Leidenschaften, Eitelkeit, Liebe zum
Weihrauch, sind die baufälligen Säulen ihrer Klostertugend. Ihr Lärvchen blendet
den Wollüstling, und ihr Körper wird allen Denen zu Teil, die den Mut haben,
sie zu überraschen. - Ein dummes Mädchen ist tausendmal schwächer, als ein
vernünftiges. Wiz, Wohlstand und Beurteilungskraft sind für junge Mädchen
durchaus nötige Dinge, wenn sie nicht das Spiel eines jeden Angrifs werden
will. Und wie ist es denn möglich, meine Besste, dass ein Mädchen zwischen den
Mauern die Welt kennen lernen kann? -
