. - Das ist
nun der erbärmliche Zustand so mancher gefühlvollen Nonne, die aus
Leichtgläubigkeit oder Übereilung auf ewig der Liebe und ihren Seligkeiten
entsagte! - So manches gute Mädchen welkt da mit den tobenden Trieben der Natur
im Busen als eine Märtirin der Grausamkeit dahin! - Die ganze Natur erinnert sie
im düstern Klostergarten an Freiheit, an Liebe; mit Wehmut sieht sie die
kleinsten Insekten sich paaren, und schröklich schwer drükt dann der Gedanke der
Unmöglichkeit ihr unglückliches Herz. - Sie flucht im Stillen der Schöpfung, weil
sie ihr Triebe gab, die ihr zur lebenslänglichen Marter dienen. - Zwang reizt
ohnehin jede Schwachheit zum Laster, und eine gute Seele braucht keine
Schranken, weil sie sie selbst hinlänglich zu setzen weis. - Dummköpfe und von
der Natur Verwahrloste schleppen blind die Kette des Vorurteils, und kleiden
ihre Ausschweifungen in die Maske der Heimlichkeit ein. - - - - Es ist zum
Entsetzen, was man da leblose, gebeugte Mädchen an den hohen fürchterlichen
Klostermauern herumschleichen sieht. - Die Unglücklichen können sich der Natur
nicht freuen, weil sie ihnen eine fürchterliche Tirannin scheint, der sie mit
tausend Kämpfen, mit tausend Tränen entgegenstreiten müssen. - Natur und
Vernunft können recht gut miteinander bestehen, und die leztere gibt der
ersteren mit gewisser Mäßigung nach. Aber Dummheit, Vorurteil, Bigotterie und
Natur sind von jeher die schröklichsten Feinde gewesen. - Mich deucht, die
Einsamkeit des Klosters ist der Tugend eben so schädlich, als das große Getümmel
der Welt. Das leztere überstimmt die Tugend, und führt aus Taumel, aus
Zerstreuung, aus Beispiel zum Laster, und die erste aus Langeweile, aus Mangel
der nötigen Erholung, wozu die Natur uns schuf. - Aber im mittelmäßigen
Bürgerleben, entfernt von den Torheiten, frei vom Zwang in den Armen eines
Gatten, (scheint mir) ist der Weg zur zeitlichen und ewigen Glückseligkeit. Der
Mensch braucht in diesem mühsamen Leben Aufmunterung, und wo findet er sie
besser, als in den Armen der tugendhaften Liebe? - Weich gestimmt ist dann seine
Seele, und selten wird man einen wahrhaft Liebenden lasterhaft sehen. Zufrieden
im Zirkel seiner Wünsche arbeitet er fleißig, flieht das Geräusch, und lebt ohne
übrige Leidenschaften, bloß für sich und seine Familie. - O meine Teuerste! -
Die Liebe hat für mich unendlich viele Reize. - Noch kenne ich zwar ihre
Schiksale nicht ganz, aber wenn sie sich meinem schönen Ideal nur halb nahen,
dann verlasse ich diese Mauern in aller Eilfertigkeit, so bald sich die Liebe
meldet. Zum Denken ist mir zwar dieser Ort reizend, aber das Denken macht
wollüstig, und eben dadurch fühlt ein junges Herz die traurige Leere desto
heftiger. Ich habe hier eine Freundin; sie ist schon seit
