
es zum Menschen, die Erziehung zum Christen, und die gute Ausübung seiner
Pflichten zum Seligen. Man lasse jedem, was ihm zur Beruhigung dient, und zanke
sich nicht bloß untereinander, um den gegenseitigen Hochmut zu empören. Die
Religion braucht keine Verteidiger, sie verteidigt sich in ihren wichtigsten
Punkten selbst. - Jeder Schulfuchs glaubt sich an Dinge wagen zu dürfen, die
bloß dem Vernünftigen, dem Hellsehenden zur Entscheidung überlassen werden
müssen. Die Kopfrebellion ist die gefährlichste, weil die Dummheit am meisten in
den Köpfen stekt. Duldung für Alle ruft uns der Schöpfer zu, und wer seine
Stimme überhört, sündigt gegen die Rechte der Religion und Menschheit. Der Kern
der Moral ist einfach, ein jeder genieße ihn nach seiner Weise. Der Willen
steigt zum Ewigen, das Übrige ist das Werk der unruhigen Köpfe. Und nun auch
noch ein Wörtchen von deinem geizigen Kaplan. - Ich habe mich über diese
Schilderung fast krank gelacht. Dass doch die Leidenschaften überall ihren
Wohnsiz haben! - So ein Mann hat ja sein Auskommen, warum wagt er es, sich und
seine Würde durch Geiz zu erniedrigen? Was sagt denn der Pfarrer zu dieser
Aufführung? - Oder ist es vielleicht schon so stark zur Gewohnheit geworden, dass
man diese Unanständigkeiten gar nicht mehr ahndet? - Üble Gewohnheiten fassen
tiefe Wurzeln, die der Wohlstand nicht so leicht mehr ausrottet, wenn sie
verjährt sind. - Spare übrigens deinen Wiz nicht gegen solche Menschen;
vielleicht lässt sich einst noch ein Schein von Empfindung blikken. - Was Du mir
nach der Hand von der Eifersucht der Haushälterin erzählst, ist mir nicht
unbegreiflich, ich kenne dieses Ungeheuer, das immer tief in dem Herzen der
Weiber wohnt. Wenn die neue Haushälterin eintrift, so gib Acht, sie ist gewiss
kaum warm, so wirds das Nemliche sein. Schone deinen Oheim noch mit der
Nachricht von den Verfolgungen, die Du duldest, es ist noch Zeit genug, ihm
Kummer zu machen, wenn Dir sonst keine Rettung mehr übrig bleibt. - Zum Beschluss
eine feste Umarmung, und gute Nacht!
                                                                          Fanny.
 
                                  XLIX. Brief
                                    An Fanny
Drei volle Monate schrieb ich Dir nicht, weil mich seither die Schwermut, die
Verwirrung meines Schiksals davon abhielt. Dafür sage ich Dir aber auch heute
sehr vieles. - Erstens hat deine Prophezeihung bei der Haushälterin
eingetroffen. Der Anlass zu dieser Frechheit liegt in einem Geheimnis, das Du
leicht erraten kannst. Wenn die Herren ihre Untergebenen zu Vertrauten machen,
denn ist es immer schlimm in einem solchen Hause zu wohnen. Ich habe dieses
Mädchen aus dem Staub des Elendes gezogen, ich habe ihr Brod verschafft, und nun
ist sie samt dem Pfarrer meine erklärte Feindin. Wo des ersteren Verfolgung
herrührt, weißt Du
