 Dasein gaben, um ihn durch unverdiente Armut
von dem Schiksale martern zu lassen. Unsere Geburt ist unwillkürlich, und die
Last unserer Schiksale drükt uns so oft unschuldig, aber desto schröklicher! -
Ich will gerne glauben, Freundin, dass es Dummköpfe gibt, die das heimliche
Elend so vieler Menschen nicht kennen. Überfluss macht den Reichen faul,
gedankenlos und hart. Wenn die lüsternen Wünsche des Reichen befriedigt sind,
dann wird er schläfrig, untätig, auch ist die Vernunft und das Gefühl da am
wenigsten zu Hause, wo Taumel von aller Art Wollust herrscht. - Fast gar keine
Reiche gibt es, die mitten im Wohlleben der Menschheit eine Träne zollen. Du
hast, meine Liebe, das Bild eines Menschenfreundes so vortrefflich entworfen, dass
sich selbst der Schöpfer darüber freuen müsste, wenn er Viele unter seinen
Geschaffenen fände, die diesem Bilde glichen! - Auch muss die Wollust, die der
Menschenfreund nach einer schönen Tat empfindet, die größte Seligkeit sein. -
Kein Andenken in der Welt gräbt sich tiefer ins fühlende Herz, als
Menschenfreundlichkeit und die Erinnerung an eine gute Handlung; alle übrigen
wezt die Zeit aus, aber der Gedanke, einen Elenden unterstüzt zu haben, bleibt
ewig, und muss dem Wohltätigen in seiner letzten Todesstunde Vorgeschmak des
Himmels sein! - Die Tränen des Danks... Die Freude eines Geretteten... Die
Verlängerung seines Lebens... sind lauter Lorbeeren, die sich der Menschenfreund
um sein Haupt sammelt, die seine Todesstunde versüßen und ihn triumphierend zum
gerechten Richter führen! Wie viele Laster kann der Menschenfreund verhindern,
die oft von Generation zu Generation erblich sind, wenn Armut die Quelle davon
war. Den Großen der Erde und ihren Vertrauten käme es zu, in ihren Städten jeden
Stand in Klassen einzuteilen, und Alles, was darin lebt und webt, durch
vernünftige Anstalten so viel möglich vor Mangel zu schüzzen. Warum richtet man
nicht für so viele müßige Freudenmädchen eine Art von Fabrikke auf, wo jede
ihrem Stand angemessene Beschäftigung bekäme? - Dirnen, die aller Besserung
unfähig wären, wärfe man, nach allen nur möglichen vorhergegangenen Versuchen,
an den Ort, der für öffentliche Bedürfnisse privilegirt wäre. - Dann bekäme doch
das Laster lauter freiwillige Auswürflinge und keine Unschuld mehr durch Armut
verführt zum Raub! - Überhaupt, um bessere Grundsäzze der Jugend einzuflößen,
als sie oft bei ihren nichtswürdigen Eltern bekommen, wäre ein allgemeines
Erziehungshaus für arme Kinder der zuträglichste Ort, von dem unsere
Nachkömmlinge bessere Sitten zu hoffen hätten. Wider den Willen der Eltern
hätten die Großen das Recht, nach befundener übler Erziehung und Armut, für das
Wohl der Jugend zu sorgen und sie in besagtes Haus aufzunehmen. Gewalt zum Guten
hat jeder regierende Herr. - Wenn
