 der
großen Welt entfernte Weisheit; unsere Unterhaltung, gegenseitiges gutes Herz,
in heitern Augenblikken mit unschuldigen Schäkkereien gewürzt, und der Endzwek
unserer Handlungen, willige Ausübung der allgemeinen Pflichten für das Wohl der
Menschheit und für unser eigenes. -
    Dies, meine Fanny, ist nur obenhin das Bild meiner glücklichen Ehe, die Du in
ihrer vollen Zufriedenheit selbst erblicken sollst. - Ja, ja, meine Freundin, Du
und dein Karl, ihr sollt beide Zeugen meiner zeitlichen Glückseligkeit werden! -
Mein Gatte gab mir sein Wort - wir besuchen euch auf unserer Reise nach der
Schweiz - und mein Wilhelm hält sein gegebenes Wort gewiss! - Gewis hält er es;
ich kenne meinen Wilhelm! - Also nur Acht gegeben, wenn Du einen Wagen rollen
hörst, so denke nur, es kommt Niemand anders, als
    
                                                         Deine glückliche Amalie.
 
                    Nachschrift an die Leser und Leserinnen.
So viel, meine wertesten Freunde und Freundinnen, kann ich Sie versichern, dass
dieses mein Werkchen eine wahre Geschichte und kein idealischer Roman ist. - Ich
werde wohl nicht nötig haben, für den Welt- und Menschenkenner diese Behauptung
deutlicher zu erklären, wenn er den geraden, natürlichen Gang meiner Geschichte
eingesehen hat, die so weit von den abenteuerlichen Episoden, romanenhaften
Windbeuteleien, u.s.w. entfern ist, und bloß bei der lieben Natur, bei
wirklichen Auftritten aus dem menschlichen Leben stehen bleibt. - Mich dünkt,
dass man aus dieser ganz begreiflichen Art Schiksale, aus dergleichen
wahrscheinlichen Begebenheiten am bessten Herzen, Menschen und Sitten studieren
lernt, weil sie auf keine Schimären, auf keine Ideale gegründet sind. Ob nun
diese meine gute Absicht bei meiner Arbeit von den Denkern und Denkerinnen so
verstanden wird, wie ich es wünsche, dies wird die Folge weisen. -
    Vielleicht hat diese ungezierte, an erdichteten Verwiklungen und gehäuften
Intriken so leere Geschichte nicht das Glük dem verwöhnten Geschmak zu gefallen,
der leider so gerne bei Hirngeburten und bei lügenhaften Geniestreichen
verweilt. - Es sollte mir wahrlich leid tun, weil ich mit allem Vorbedacht bei
der pünktlichen Wahrheit der Geschichte stehen blieb und nicht gerne
Erdichtungen einflikken wollte, um meine Leser und Leserinnen nicht mit Märchen
aus dem Reiche der Möglichkeit zu täuschen, die unsere meisten Romanen ohnehin
genug anfüllen. -
    Meine Arbeit musste ein Kind der Natur werden; wollen sich nun die
Abgesandten der Vorurteile und dienstfertige Grübler daran wagen, dasselbe zu
nekken, so wird seine Mutter aus Erfahrung wohl so viel kaltes Blut gesammelt
haben, um ihre Nekkereien mit philosophischer Gleichgültigkeit zu ertragen -
oder es zu verteidigen, - je nachdem es kommt! -
    
                                                                Die Verfasserin.
 
    
