 ich unser Band nicht enger knüpfen. - Aber,
hörst Du, ganz musst Du mein werden; das ist der eigentliche Verstand einer
gutartigen Liebe.« -
    Und der Liebe besste Sicherheit, eheliche Verbindung. - Wenn es ihm wirklich
Ernst wäre, Dich zu heiraten, dann würde er deutlicher sprechen. -
    »Wenn Dir etwas zustösst, oder was Dich immer für ein Schicksal treffen mag,
so wende Dich an mich; ich bin ja dein einziger bester Freund!« -
    Hier blikt eine Spure gutes Herz hervor, wenn es nicht Eitelkeit ist.
    Und nun, meine Besste, wären das meine Gedanken über deine neue
Bekanntschaft. - Schlägt dein Herz ohne Eitelkeit, ohne Verblendungssucht, bloß
für mich, dann kannst Du nicht zürnen über die Aufrichtigkeit einer Freundin,
die mit ungeheuchelter Wahrheit bloß für dein Wohl besorgt ist. -
    
                                                                          Fanny.
 
                                  CXLVI. Brief
                                    An Fanny
Aber sage mir, Mädchen, wer sollte auch bei deiner beissenden Rezension gelassen
bleiben können? - Ich habe Dich ja bloß zur Ratgeberin und nicht zur Spötterin
aufgefodert. - Ich dächte, Du wärest dem jungen Mann doch um meinetwegen mehr
Schonung schuldig! - Jeden übereilten Ausdruk von ihm schreibst Du auf Rechnung
seines Herzens. -
    Klugheit und Vorsicht bei der Wahl eines Gatten, fodert die Vernunft, aber
zu viel grillenhafter Verdacht ist immer die Folge eines eigensinnigen
Vorurteils. Wenn wir von den Menschen gar nichts Gutes hoffen dürfen, wer würde
sich wohl wünschen in einer solchen Furien-Welt zu leben? - Unbesonnen würde ich
erst alsdann handeln, wenn ich mich jetzt gleich mit ihm verbände - ohne ihn
gründlicher kennen zu lernen. -
    Täglich werden seine Briefe häufiger und feuriger; wenn er mir abwesend so
fleißige Rechenschaft von seiner Leidenschaft gibt - so wird er doch bei meiner
Ankunft nicht wanken. - Muss ich das nicht für Standhaftigkeit halten, da er
freie Wahl hätte es zu unterlassen? - Ich habe wirklich Beweise seines guten
Herzens. - - Die übrigen Fehler, die deine Menschenkenntnis in ihm zu entdekken
glaubt, will ich jetzt in der Entfernung nicht untersuchen. - Zeit genug, wenn
ich einstens wieder in seiner Vaterstadt anlange. - Alles was ich tun kann,
ist, mich bei meiner Ankunft keiner zu heftigen Schwärmerei zu überlassen, wenn
ich bis dorthin Veränderung in seinen Briefen entdekken sollte. -
    Mehr kannst Du von einem Weibchen nicht fodern, deren empfindsames Herz Du
kennst. - Die wenigen Zweifel, die mir leztin noch aufstiegen, sind nun durch
seinen fleißigen Briefwechsel fast ganz in mir erloschen. Warum soll er mir die
feurigste Leidenschaft und die sehnsuchtsvollste Liebe vorplaudern, wenn er
flatterhaft genug wäre, in seiner Vaterstadt Befriedigung zu suchen? - Warum
soll er gegen eine Abwesende ohne den mindesten
