
Anhang wieder - Nein, ich mag es nicht ausdenken! Wie! eine solche Last sollte
uns wieder aufs neue drükken? Klein ist jetzt unser Aufwand, aber doch
hinlänglich. Ja, weis Gott! wenn er größer würde, so wäre bitteres Elend unser
Ziel! O Freundin! wir sollten darben? Kennst Du was Grausamers? Es schrekt mich
der blose Anblick, wenn ich Andere in solch einer bedaurungswürdigen Lage sehe;
wie schwer würde mich erst die Erfahrung selbst drükken! Der Philosoph schränkt
seine Wünsche ein, aber was Natur und Gesellschaft fodert, an das wird er sich
doch nicht wagen. Seitdem wir Menschen so viele Bedürfnisse haben, seitdem sind
wir auch unglücklicher. Es ist ja Alles so unregelmäßig ausgeteilt, der Schurke
ist reich und der Rechtschaffene arm, und doch reich, aber nur in seinem Herzen.
Der Mensch muss dem Interesse nachjagen, weil er dazu gezwungen wird. Meinetwegen
möchte man Alles versuchen, um ehrlicher Weise Geld zu gewinnen, wenn nur die
Menschen es wieder für andere Menschen verwendeten; aber wer hat mehr Geld als
viele Menschen? und wer ist harterziger als eben diese? Höre doch noch was!
Mein Vetter in Mainz schreibt mir vieles artiges Zeugs. Der Lose, wie er meiner
Eitelkeit küzzelt! er nennt mich ein erhabnes Mädchen; er schwört mir Liebe,
Freundschaft und Treue zu. Was meinst Du wohl? Sind denn die Männer so gutherzig
wie wir? Dies Geschlecht ist noch für mich ein Rätsel. Möchte es immer eins
bleiben! aber ich zweifle. Mein Gefühl wächst, und ich wünsche mir bald ein
solches Untier. Mein Herz, mein Enthusiasmus, Alles in mir ist zum Lieben
geschaffen. Oft, wenn ich einsam bin, fühle ich mich so leer, so öde, überdies
so wünschvoll, und Tränen sind gemeiniglich das Ende meiner Schwärmerei. Wie
nötig hätte ich jetzt den Rat meiner Mutter! Aber ach! Freundin! - Du musst sie
sein; nicht wahr, Du willst?
                                                                         Amalie.
 
                                  XIII. Brief
                                    An Fanny
Dass doch meine Ahndungen fast immer eintreffen müssen! Begreife, wenn Du kannst,
liebes Mädchen, meinen wirklichen Zustand. Vor wenigen Wochen kam der Bruder
meines Vaters mit acht Kindern hier an; mein Vater vergaß bei diesem Anblikke,
Folgen und Zukunft, nahm sie auf, und nun ist unser Schicksal gänzlich in des
Himmels Händen. Ja, Freundin! wäre auch diese Last unsern ökonomischen Umständen
angemessen, so würde doch eine solche pöbelhafte Gesellschaft für mich
Zuchtausstrafe sein. Fünf Mädchen und drei Buben, lauter grobe, boshafte
Kinder, die kurzweg Kontraste von meiner Erziehung sind. Kreaturen, die zur
Plage andrer guten Menschen in der Gesellschaft herumirren. Geschöpfe, die ohne
Grundsäzze erzogen wurden, und
