, folge meinem Rat! - Wer kann, wer darf ihn tadeln? - Ist er nicht der
Menschheit angemessen? - Grausamkeit zu dulden, kann kein Gesez fodern! -
Verhärtetes Laster muss hier oder dort gestraft werden, sonst weh dem
Unschuldigen, wenn Niemand seine Klagen hören will! - Und, gesezt denn auch, die
Ohren der geistlichen Richter wären unter euch Katholiken für so ein Elend taub,
so dürfen es doch die deinigen nicht sein, gegen ein Leben, dessen Verkürzung Du
einstens schwer deinem Schöpfer wirst verrechnen müssen! Was könntest Du wohl
länger einem Schurken an seiner Seite nüzzen, der sich mit Lasterwut im Kote
herumwälzt? - Oder sind Spielsucht, Mordsucht und Betrügerei etwa nicht
hinlängliche Gründe zur ewigen Trennung? - Wenn der eigene Mann sein angetrautes
Weib durch Spielsucht der Armut und ihren Versuchungen Preis gibt; ist er denn
nicht sträflicher, als der gekannte Böswicht, der nicht wie dieser öffentlich,
sondern im Stillen, unter dem Dekmantel der Religion Seelen mordet? - Wenn so
ein Meineidiger der am heiligsten Altar Fleis, Sorgfalt und alle Arten von
Pflichten schwur, wenn so ein heuchlerischer Lügner mit Satans Grausamkeit,
durch Hunger, selbstverursachten Mangel und Misshandlung die Gesundheit seiner
Gattin schwächt, und ihr Leben verkürzt: O dann sagt mir, ihr eiskalten Richter,
wo gibt es unter der Sonne einen verdammungswürdigern Mörder, als in einer
solchen Ehe? - Wie er dann im Dunkeln das an ihn gefesselte Weib dahinwürgt! -
Wie er als Mann überall den Stärkern behaupten kann; wie die Menschen geneigt
sind, Männerhärte zu entschuldigen, und wie sie dann schreien und wimmern kann,
die arme gepeinigte Unschuld, bis der Tod sie von Banden befreit, die leider nur
bei den wenigen vernünftigen Protestanten, auf dieser Erde gelösst werden können.
- Beim Himmel! - Meine Freundin, zu wenig kann das Auge des Richters in die
verschlossene Mauern so vieler unglücklichen katholischen Eheleute dringen, wo
Tirannei des Mannes und sanfte Duldung des gekränkten Weibes, das leztere
hinwelken machen, weil dasselbe zu viel Ehrengefühl besizt, um zur Schande des
ersteren, ihr Hauskreuz öffentlich bekannt zu machen! Es ist doch die
schröklichste Unmenschlichkeit, dass Tugend und Laster in einer solchen Ehe in
einem Hause wohnen, an einem Tische speisen und in einem Bette schlafen muss! -
Wie leicht kann eine unerfahrne junge Waise, aus Umständen, aus Übereilung, mit
einem leidenschaftlichen Bösewicht ein Band knüpfen und sich dadurch für die
ganze Zeit ihres Lebens eine Hölle bereiten! - Bei jeder Klage, die über üble
Ehen vor den Richter kommt, sollte derselbe genau alle Umstände der
beiderseitigen Unzufriedenheit untersuchen: Oft sind es disharmonirende
Gemüter, oft Ausschweifungen und verhärtete üble Gewohnheiten, die eine Ehe
ohne Hoffnung, dass sie besser
