 ist auch die Ursache, warum der vortreffliche,
aufgeklärte junge Baron Sch..., so wie mein Oheim, sehr freundschaftlich mit
diesen Häusern verbunden ist. Es herrscht unter diesen Denkern, troz der
Verschiedenheit ihrer Religion, eine Harmonie des Geistes, die kein katholischer
Bigottismus und kein protestantischer Eigensinn zerstören kann. - Pressfreiheit,
Duldung der bessten Schriften ist auch da zu Hause; und was braucht es mehr, um
sich einstens die herrlichste Aufklärung von beiden Seiten zu versprechen? -
Mein Oheim arbeitet unermüdet an der beiderseitigen Duldung. Überall erblicke
ich in ihm den tätigen Menschenfreund. Wirklich hat er auch einen jungen
Anverwandten bei sich, den er selbst erzieht. Was der neunjährige Knabe für
Talenten zeigt, ist nicht zu beschreiben; und dann die liebevolle, schöne Art
meines Oheims ihn zu bilden, lässt mir von diesem Jungen alles Gute hoffen. - Er
ist jetzt schon frei und natürlich in seinem Betragen, offenherzig, gut und
sanft, sein Herz öffnet sich allem Guten, das in der lieben Natur liegt. Der
wakkere Junge liebt seinen Oheim eben so sehr, als ich ihn liebe. So viel für
heute, traute, liebe Fanny, von deiner Dich gewiss liebenden
                                                                         Amalie.
 
                                  LXXV. Brief
                                   An Amalie
Willkommen, liebe Freundin, mit deinen herzigen zween Briefen! - Armes
bedaurungswürdiges Malchen, so quält Dich denn dein Mann noch immerfort! - Der
Unbesonnene, konnte Dir vor eurer Abreise durch seine Schulden noch Plagen
verursachen! - Weis denn der Fühllose nicht, dass, um Schuldner zur Geduld zu
verweisen, eine gewisse Unverschämtheit oder Schamlosigkeit erfodert wird, die Du
gewiss nicht in deiner Gewalt hast? Fast immer ziehen mit Schulden beladene
Menschen, denen es an Kühnheit mangelt, den Kürzern, und werden von
eigennüzzigen Gläubigern aufs empfindlichste beleidigt. - Besonders, wenn sie es
mit Pöbel, oder noch weit ärger, wenn sie es mit jüdischen Kaufleuten zu tun
haben. - Nichts macht den Kaufmann harterziger als Eigennutz. - Man wird sehr
wenig wahre gutherzige Leute in dieser Menschenklasse finden. - Der
hassenswürdige Eigennutz macht die meisten von ihnen grausam, unempfindlich und
stolz. - Um dieses Lasters willen haben die wenigsten Kaufleute Gefühl für
Großmut und fürs gesellschaftliche Leben. An den Eigennutz gewöhnt, fühlen sie
nicht den Mangel Anderer; von dem Geize beherrscht, tirannisiren sie ihre
Nebenmenschen; im Überfluss vergraben, kennen sie die Empfindungen der Armut
nicht; und so bleiben sie von der Gesellschaft zurückgezogen für sich, stolz auf
ihr Geld, und unerträglich für den Vernünftigen. Kann man etwas Widrigeres
sehen, als einen alten Geizhals von Kaufmann, der steif wie Holz und mürrisch
wie ein Menschenhasser, hinter seinem Geschäftpult neben seinem Geldkasten sizt?
- Taub für das Elend der Dürftigen,
