, wenn ich anfange munter zu
werden? Schon oft wurde ich nachher über mich selbst ärgerlich, wenn meine
Überlegung mir sagte, dass eben diese Lebhaftigkeit mir den Schein des
Leichtsinns gäbe, der doch gar nicht in meinem Charakter liegt. - Aber ich bin
nun einmal schon so, und kann nichts halb genießen, sondern alles ganz, alles
äußerst. Doch freut mich in Gesellschaften nichts mehr, als wenn ich Anlass
bekommen kann, die Männer recht tüchtig zu satirisiren. Oefter treffen mich dann
dabei auch tüchtige Hiebe; und, Fanny, ich bin Dir dann Mäuschenstille dazu,
wenn man mir wieder die Wahrheit zurücksagt. Überhaupt gefällt mir der
fein-satirische Ton in Gesellschaften unendlich. Er muss zwar an keine
Beleidigungen gränzen, aber er muss munter, vernünftig frei, nach Laune handeln
dürfen. Es ist in Gesellschaften eine wahre Freude, wenn man die Stunden, so
unter frohem Gelächter dahineilen sieht. O möchten sich doch die Frauenzimmer
mehr aufs Gesellschaftliche verlegen! - Möchten doch die langweiligen, unnüzzen
Geschöpfe lernen die Männer mit etwas Besserem, als mit ihrem blosen Körper zu
unterhalten. Ausschweifung und Verachtung würde dann weniger obwalten, wenn die
Männer nicht an der Seite der Weiber zur ersteren aus Langeweile, und zur
leztern aus Überzeugung schreiten müssten. - Es ist eine ewige Schande, dass die
Männer bei den Weibern, bloß Genuss suchen können, und dass die Weiber nichts
Besseres zu geben wissen. Daher kommt die gewaltige Mishandlung der Männer, weil
so wenig Weiber den guten Ton der Gesellschaft verstehen. Lebe wohl, besste,
liebste meiner Freundinnen! -
                                                                   Deine Amalie.
 
                                  LXXIV. Brief
                                    An Fanny
Da bin ich Dir schon wieder, meine Teuerste, und will mich recht herzlich mit
Dir unterhalten. Wenn Du mir aber so oft antworten müsstest, als ich Dir
schriebe, so würdest Du wahrlich nicht viele andere Geschäfte darneben treiben
können. Indessen will ich es mit Dir nicht so genau nehmen, wenn Du mir auf drei
Briefe nur eine Antwort zukommen lässest, so bin ich völlig zufrieden. Genug ich
habe es mir einmal vorgenommen, Dir so oft und so viel zu schreiben, als es mich
gelüsten wird. Und auf diese Art, sollst Du heute schon wieder etwas von meinem
ungezogenen Mann zu lesen bekommen. - Bedenke einmal, kaum sind wir Beide einige
Wochen hier, und schon fängt der Leichtsinnige seine alten Ausschweifungen
wieder an, ohne sich Schranken zu setzen. - Mein guter Oheim hat ihm mit dem
besten Zutrauen Geld vorgestrekt; das war gerade sein Verderben, weil er wieder
damit aufs Neue zu spielen anfing. - Ich habe bis jetzt seine Aufführung mit
allem Fleiß - bloß um nachher meinen Oheim desto augenscheinlicher davon zu
überzeugen - verborgen gehalten. - Wenn
