 dein Herz gedrungen sein! - Aber ist es nicht der Vorsehung Werk? -
Beruhige Dich um Gotteswillen, du bist es Dir, Du bist es deinem Gatten, Du bist
es deiner Fanny schuldig! - Ich will Dir ja mit einem fühlenden Herzen Alles
sein, Schwester, Mutter und Freundin! - Kannst Du in einer an guten Menschen
darbenden Welt mehr fodern? - Mein Geschik ist zwar neidisch genug, mich nicht
an deiner Seite zu lassen. - Aber Trost, Freundschaft, Rat, Tränen, Mitleid,
das alles, mit Dir, auch in der Entfernung zu teilen, ist für mich
Götterwollust! Lass es austoben dein hartes Schicksal, es kann nicht immerfort so
rasen, es muss brechen, wenn seine Wut auf den höchsten Gipfel gestiegen ist.
Tröste Dich mit dem Leiden Anderer, es gibt noch weit Unglücklichere. Es gibt
Menschen in der Welt, die im Stillen am tiefsten Gram dahinzehren. Die sich
nicht einmal können, nicht einmal dürfen mitteilen, die finster, in sich
geschlossen zurückgeschrökt von der Menschheit, durch die Folter ihrer Ruhe bis
zum Grabe hingeschleppt werden! Verlust der Ehre, des guten Namens,
Gefangenschaften, verfolgte oder betrogne Armut, Falschheit der Freunde,
Todesfälle, unglückliche Ehen, böses Gewissen, sind so ungefähr die herrschenden
Plagen dieser Welt, auf die wir uns gefasst halten müssen. Schon hast Du mehrere
dieser Klassen durchwandert, und Dir dadurch einige Stufen zum ungestörten Leben
jenseits gebaut. - Ist diese Hoffnung nicht reizend? - Ist sie nicht ein starker
Schuz gegen die Kleinmut? - Sagt Dir nicht deine Vernunft, es eilt dahin dies
träumende Leben zu einem bessern? - Werden nicht alle irrdischen Hoffnungen in
dem unglücklichen Menschengehirn gestört? - als gerade diese nicht, wenn sie in
einem Herzen liegt, das sich der Religion öffnet. Diese Stimme, die jeden
Christen bei den Abgründen seines grausamen Schiksals zurückruft, muss untrügliche
Warheit sein, denn sie ist zu mächtig, zu tröstend für den armen Wanderer! - Sei
billig, meine Freundin, gegen die Fügungen des Schöpfers. Empfinde sie, aber
murre nicht. Dein Herz ist zu groß, deine Seele zu erhaben, um nicht über kurz
oder lang mit Standhaftigkeit eine Änderung abzuwarten. Anhaltendes Unglück
untergräbt freilich unsere Gesundheit, wenn die Natur uns schwache Nerven gab,
aber es bildet das Herz, veredelt die Seele, klärt den Verstand auf, und macht
uns zu wahren denkenden Menschen. Unsere Empfindung wird durchs Unglück feiner,
unser Herz mitleidiger, und unsere Tugend erhabner. - Ich glaube immer, der
wahre gute Mensch muss wenigstens einmal in seinem Leben unglücklich gewesen sein,
sonst kann er nicht wahrhaft gut sein, denn Befriedigung aller Wünsche im
menschlichen Leben stumpft die Seele ab
