. Dass ich,
Sultan, zu Konstantinopel herrsche, da es mir Millionen und Millionen Sklaven
erlauben, wie nimmst du das mir übel? Willst du über nichts herrschen? Ist nicht
jeder Mensch ein Sultan, wenn er kann, nicht jeder Stier und Hirsch? Die
Verständigen werden freilich nie gehorchen, wenn sie nicht müssen. Gehorchet
nicht, wenn ihr könnt, solange bis ihr alle Herren seid! und euer Staat ist die
Vereinigung des reinsten Ganzen, eine Sonne, wo jeder Teil Licht hat und flammt
und brennt, und einer den andern verstärkt und entzückt, und alle insgesamt dann
fremde träge Erdenkörper zum Leben erwecken wie jetzt allein ich.
    Es ließ sich vielleicht hierauf noch immer antworten: Dass der Löwe minder
starke Tiere zerreißt und ihr Blut aussaugt, ist nun freilich einmal so in der
Natur und erhält ihn und macht ihn glücklich. Dass du Sultan aber über Millionen
herrschest, ist Stelzenwerk und macht dich im Grunde unglücklich; denn du lebst
nur im Traum und Nebel, ohne eigentlichen Genuss. Der Zufall hat dich obenan
geschleudert, nicht deine Kraft hingestellt. Du füllst deine Sphäre nicht aus
und bist immer in einem ohnmächtigen Streben, Gefühl von Schwäche; hast den
Anschein von Held und Sieger und das Innre von einem niedergetretnen
Überwundenen! und so weiter, wenn man ungeachtet aller Traulichkeiten Lust
hätte, auf der Stelle gespiesst zu werden.
    Um zum Beschluss hiervon nach der Schule noch zu reden: so teilt man die
Staaten ein in Demokratien, Aristokratien und Monarchien; und sagt, jede
Verfassung sei schier gleich vortrefflich, wenn die Menschen gut da wären, das
ist: wenn jeder, oder doch diejenigen, welche regieren, die andern lieben wie
sich selbst und ihr Wohlsein nur in dem des Ganzen finden; und führt zu
Beispielen an Athen nach dem Pisistrat, Rom nach der Vertreibung der Könige und
den Teseus und Cyrus und Romulus aus den dunkeln Zeiten der Fabel.
    Weil aber ein böses principium im Menschen stecke und der reine Geist nicht
allein in ihm herrsche, welches alle die Schlechtigkeiten bewiesen, die sonst
unerklärlich blieben: so habe jede von diesen glückseligen Verfassungen nur
äußerst kurze Dauer und arte bald entweder in Tyrannei aus, denn fast allemal
folge auf einen raren weißen Raben Mark Antonin eine Menge Kommodusse, oder in
Oligarchie, wie nach den Scipionen und Gracchen in Rom unter dem Marius und
Sylla, Pompejus und Cäsar; oder Anarchie und zügellose Frechheit. Und in
Betrachtung der Natur dieser Dinge schmieden sie denn einen Staat zusammen, der
aus allen dreien Verfassungen zugleich besteht, und erhalten ihn unsterblich und
ewig vollkommen durch ihre Gesetze, als ob das Leben sich festhalten ließe,
besser als Metall und Holzwerk bei Maschinen! Inzwischen sind solche Ideale der
Vollkommenheit von scharfsinnigen
