
Kunst über alle Nationen hervorragt, ehe es sich von der Gewalt der Könige
losmachte und hernach durch seine Tribunen die Aristokraten bändigte! O es ist
dem Menschen so süß, über andre zu herrschen, deren Knaben und Töchter und
Weiber sich aufwarten zu lassen, ihren besten Wein zu trinken, ihre besten
Früchte, ihr bestes Gemüs und Fleisch zu schmausen, sie im Sonnenbrand arbeiten
zu sehen und selbst in kühlen Schatten faulenzen, sie unter den Schwertern und
dem donnernden Geschütz der Feinde zu wissen, wenn junge zarte Dirnen ihm
sorgsam die Fliegen wegwedeln! Jeder will dazu Recht haben, und göttliches Recht
haben, sobald er im Besitz ist, und ließ eher den letzten Kopf von allen seinen
Untertanen, Vater und Sohn, Mutter, Bruder, Schwester, Tochter, über die Klinge
springen, die es rebellisch leugneten, und befände sich lieber allein in einer
Wüste zwischen der Pest der Hingerichteten, als dass er zum Exempel einem Rom
gestattete, außer seiner Unterjochung das erste Volk der Welt zu sein. Dies ist
in der Natur; so elend ist der Mensch; alle unsre Moral ist gemacht und steht
nur in Büchern: lehrt es nicht alle Geschichte?
    Dasselbe tut man, um Herrschaft zu erlangen, und düngt die Felder mit
Bürgerblute; Du kennst die Verse des Euripides, die Cäsar im Munde führte.
    Sie haben allerlei Blendwerk von Beschönigung ausersonnen, worunter das
täuschendste ist, dem Staate Ruh und Ordnung zu verschaffen und behende Stärke
zu geben; und sie stellen sich an, als ob sie nur dessen erste Diener wären und
große Lasten auf sich trügen. Wie ist aber einer Bedienter, dem niemand
befiehlt, der keinen Herrn über sich erkennt? Wie ist einer Bedienter, der nach
Gutbefinden Gesetze macht und gibt und keins annimmt? nach Willkür ohne Gesetze
straft? Gesetzt auch Ruh und Ordnung: ist dies Glückseligkeit? Im Kerker ist
auch Ruh und Ordnung.
    Behende Stärke? Xerxes erfuhr sie anders von den Temistoklessen der
Griechen; und die Diktatoren der Römer, die Kamille, sind andre Leute, als
vielleicht je einer unter ihnen war, und kosteten sicherlich weniger zu
unterhalten. Doch wenden wir unsre Ohren ab von diesem Larifari, die Sache
springt von selbst in die Augen. Kein Tyrann wird wohl je so ein Narr sein und
sein Sklavenreich einem freien Rom, Athen oder Sparta vorziehen, strahlende
Namen durch alle Zeitalter; allein wenn er gescheit ist und mit einem Gescheiten
unter vier Augen spricht, ganz etwas anders behaupten; etwa folgendes:
    Jedes Wesen darf von Natur um sich greifen, soviel es Macht hat, es sei
unter seinesgleichen oder andern Dingen. Du zürnst, dass du gehorchen musst?
Gehorche nicht, wenn du kannst! und du erhältst ein ander Recht
