 seufzend mit vor sich niedergeschlagnen
unverwandten Augen. Weder Fulvia noch der Bräutigam, noch irgend jemand hat nach
der Zeit ein Wort von ihr herausbringen können, so dass sie völlig die Sprache
verloren zu haben scheint. Sie lässt sich geduldig hinführen, wohin man will,
geht auch für sich herum, ringt aber immer die Hände und seufzt, versteht
platterdings nichts mehr, was man sagt, und nimmt an keinem Gespräche mit Mienen
und Gebärden Anteil. Sie isst und trinkt wenig; sobald sie aber genug hat, ringt
sie wieder die Hände und seufzt. Es sind von den Ärzten verschiedene Mittel
versucht worden, aber alles vergeblich. Sie kennt Fulvien nicht mehr, ihren
Bräutigam nicht mehr, und mich nicht mehr; wie sie dieser küssen wollte, hat sie
nach ihm geschlagen und ihn ins Gesicht gekratzt. Auch von ihren Freundinnen
leidet sie dies nicht; sonst ist sie in allem geduldig. Ich mochte mir immer mit
einem Strick die Gurgel zusammenziehn, wenn sie mich so starr ansah und die
Hände rang und seufzte.
    Jetzt steckt sie nun in einem Nonnenkloster zur Verpflegung. Florio war im
Begriff, sich eine Kugel vor den Kopf zu schießen, und ist nun bei der Flotte,
um in der Verzweiflung gegen die Tuneser sein Ende zu finden; und ich habe mich
so auf den Weg nach Florenz gemacht. O Natur, deine schönste Zierde ist
zerrüttet und zugrunde gerichtet! Das arme Mädchen, zur Lust erschaffen und
aller Augen und Herzen zu entzücken, hat nie die höchste Süßigkeit des Daseins
gekostet und lebt nun ein unaufhörlich Gefühl von unaussprechlichem tiefen
Leiden.
    Du hast so etwas nicht erfahren und kannst Dir's folglich auch nicht denken:
so schön, so reizend, so geliebt, so liebend und so voll Geist, und nun auf
einmal alles im Ruin ohne Zusammenhang; dasselbe nicht mehr dasselbe, es ist
grässlich! Wer sie kennt, vergisst Tränen über ihr Schicksal; ganz Genua trauert.
Weide dich, barbarische Moral, Feindin des Lebendigen, mit Wolfsgrimm hier an
deinem Opfer!
    Aber auch ich, o Gott, wo werden mich meine heftigen Leidenschaften nicht
noch hinreißen! Ach, ich habe ihren Zügel nicht so am sichern Griff, dass sie auf
halsbrechenden Wegen nicht einmal mit mir davonrennen, der Wagen überschlägt und
Ross und Führer in den Abgrund taumeln, wo man Blut und Gehirn noch lange dem
Wandrer an Klippen zeigt, bis die Regengüsse des Himmels die Reste des Verwegnen
vom Felsen waschen!
                                                                     Ardinghello
Ich konnt ihm hierauf nicht antworten, weil er mir keine Zuschrift meldete. Die
Begebenheit war entsetzlich und ging mir selbst durchs Herz. Je mehr ich darüber
nachdachte, desto natürlicher aber kam sie mir vor. Fulvia mochte wohl die
größte Schuld haben, und
