 unvernünftiger Eifersucht noch
fester eingekerkert.
    Sind wir nicht schön, so erwerben wir keine Liebe mit aller Weisheit und
allen Künsten der Musen und der Minerva; und außerdem heißt's immer noch: sie
ist doch nur ein Weib, und kann und darf nichts recht sehen, wie es ist;
Pedanterei und Ziererei ohne Zweck und Nutzen! Ein Weib hat weder Stärke noch
Überlegung, etwas Großes in irgendwo zu erlangen und zu fassen; die Guten und
Verständigen haben Mitleiden mit dessen Schwäche, und die Boshaften verspotten
es und suchen es mit ihrem Lobe vollends zur Närrin zu machen. So geht man mit
uns um.
    Am besten wär es, nie geboren worden zu sein; denn was wir wollen und
lieben, dürfen wir doch nicht haben! oder, sobald diese Neigungen in unserm
Herzen aufgehn, geschwind von der Erde weggenommen zu werden. Unser Los ist
Traurigkeit und Leiden und wenig heitre Augenblicke; ein vergnügter sichrer
Zustand ist uns nicht beschieden: unser Leben ein schwacher Kahn im stürmischen
Meer, oft von Wellen überschlagen.«
    Aber warum schreib ich Dir den toten Sinn und Buchstaben von dem, was sie so
göttlich in bezaubernden Worten, Tönen und Gebärden sagte!
    Ich hielt ihre Linke in meinen beiden Händen, und sie überließ die
entzückenden Wallungen ihrer innern Schönheit ruhig meinem heißen Gefühl.
    »O Lucinde,« antwortet ich ihr darauf, »du hast viel Wahres gesagt, wir sind
ungerecht gegen euch! aber auch unser Los ist hart. Uns liegt die Arbeit ob, und
ihr wirkt still wie die Sonne, und macht schon glücklich bloß durch eure
Schönheit. Wir müssen alles erringen und erkämpfen; und ihr strahlt nur um euch:
so liegt man euch zu Füßen.
    Hohe Schönheit ist freilich äußerst selten; aber auch eine Jungfrau, die sie
besitzt und zu gebrauchen weiß, ist, was bei uns Alexander und Cäsar mit Heeren
von Helden; es kommt nur auf sie an, was sie erobern will! Das ewige Schicksal
hat ihr alle Herzen unterworfen.
    Liebe und Geist ist eins und dasselbe unter verschiedenen Namen, nur dass man
Überfluss von Geist Liebe nennt: hohe Schönheit beherrscht alle Geister. Sie
vereinigt sich deswegen gern mit großer Gewalt oder großem Verstande, weil da
die Liebe am mächtigsten ist. Der Mensch für sich allein, überhaupt jedes Wesen,
abgesondert, ist unglücklich. Was kümmert den Vortrefflichen im Grunde Wahn und
bürgerliches Vorurteil? Das Gesetz ist toll und töricht, das ihm Eigentum und
freien Gebrauch seiner Person abspricht; und er tritt es mit Füßen, sobald er
kann.«
    »Ich möchte lieber Ardinghello sein«, versetzte sie schnell in leisem
Nachtigallenton, ganz auf mich geheftet, »als Semiramis und Laura, so jung und
schön
