 Dinge, die mich betrafen und nicht zu dieser Geschichte
gehören; und erhielt von ihm im Dezember folgende weitere Nachricht:
                                                                Genua, Dezember.
Die See ist hier doch etwas ganz anders als in Euren Brentasümpfen! Die Stürme
machen mir jeden Tag ein neues Schauspiel; und ich begreife nun, wie Kolumben
der Mut im Herzen erwuchs, sich mit einer Bande Gesindel in den unwirtbaren
Ozean hinauszuwagen, gleich einem Gotte, der Wasserfluten und Orkane kennt und
in ihr grausames wildes Spiel sich zu finden weiß, kühner als Herkules und alle
Helden der vorigen Zeitalter. Wenn die Wogen so den Hafen hereinbrechen und sich
an seine hohe Mauer hinaufwälzen, bis über die Dächer der Häuser, die da stehen,
und Schaum und Meer wie ein Wolkenbruch wieder herabströmt, und mit dem neu
herbeirauschenden Ungestüm sich klatschend zu Staub wirbelt: wie lebt die Natur
da in meinem Sinn und ergreift mit ihrer Musik mein Wesen!
    Ich habe angefangen, es mit Farben darzustellen, aber alles wieder
weggeworfen: dahin reicht keine Kunst; sie bleibt hier zu sehr bloß toter
winziger Buchstabe.
    Dafür geb ich mich desto mehr mit den hiesigen Seeleuten ab; studiere den
Schiffbau; lasse mir ihre Züge durch das Mittelländische Meer erzählen, ihre
Gefechte, Gefangenschaften, ihren Handel; bewirte die besten oft, und teile
ihnen wieder von demjenigen mit, was ich weiß; und erkenn immer mehr, dass der
Mensch eher so gut ist, als er sein kann, als dass er so böse wäre, als er sein
könnte, im ganzen genommen.
    Zufriedner bin ich mit ein paar Skizzen, die ich aus den Begebenheiten
gemacht habe, welche ich Dir in meinem vorigen Brief erzählte. Die eine stellt
die Szene vor, wie die Räuber in den Tanzsaal fielen und Braut und Frauenzimmer
entführten; doch würde mir die nächtliche Beleuchtung bei der Ausführung im
Großen schwer werden. Die andre ist, wie ich den Biondello unter dem Verdeck
niederstiess. Wenn ich den Ausdruck der Wut und Verzweiflung in seinem Kopf
erreichen könnte, und den höchsten Schrecken, der an die Ohnmacht grenzt, in den
schönen Weibergestalten, die ich in ihren Gruppen und zerzausten Kleidungen ganz
nach der Natur genommen habe, samt den zwei Niedergeschmetterten: so müsste
dieses Bild im Großen jedermann ergreifen. Fulvia besitzt sie, und sie mag sich
dieselben einmal von einem andern ausmalen lassen. Ich bin mit ihr schon
bekannter geworden, als ich anfangs wollte.
    Ich stecke in einer Lage, die ich Dir kaum mit Worten andeuten kann. Wenn
Lucinde an Fulvias Stelle wäre, so führten wir ein Götterleben; so aber ist
Natur und bürgerlicher Stand einander ganz entgegen. Fulvia hat eine
Phrynenseele; und diese sollte Lucinde haben, um das glückseligste Geschöpf zu
sein. Ich habe
