 mich als deinen
Freund erkennen; an deinem Mut und deiner Klugheit im übrigen darf ich nicht
zweifeln. Jedoch bedenke vorher, was du tust und dass dein Leben selbst dabei in
äußerster Gefahr ist.«
    »Was soll mir ein Leben, das Sklaverei duldet und Unrecht leidet?« erwiderte
er, »schändliches Unrecht! und das grausamste! O ich weiß, dass das ewig lebt,
was in mir lebt, und dass dies keine Gewalt zugrunde richtet. Ich war, was ich
bin, und werd es sein: ein edler Geist, den sein göttlich Urwesen durch alle
Zeiten von der Drangsal niedriger Verbindungen immer bald erlösen wird. O wären
viele wie ich! der Tyrannei unter unserm Geschlecht sollte bald weniger sein.
Aber da fürchten sie sich vor dem Wörtchen Tod und glauben, sie wären das, was
da kalt und bleich und starr ausgestreckt auf dem Brette liegt, da es nur das
Gespenst der eigentlichen Unterwelt ist, das ihre niedrigre Gattung von Wesen
nach seinen jämmerlichen Bedürfnissen herumfoltert, und alle reine Seele mit
Apostelstimme den verachtet, der keinen Mut hat, zu sterben und sich von dem
Elend frei zu machen.«
    Mich dünkte, einen Gott reden zu hören: so stolz und groß stand der Mensch
vor mir; ich musste ihn an mein Herz drücken.
    Allein der misslichste Punkt bei der Sache war Cäcilia; dies machte ihm am
meisten zu schaffen, und er überlegte auf allen Seiten. Er glaubte, dass es
endlich auch hier gehen würde, und sei der Gewalt sicher, die er über ihren
Willen habe! sie selbst ins Spiel verflochten, und der außerordentlichen
Biegsamkeit ihres Geistes und ihren andern Fähigkeiten die Rolle nicht zu
schwer. Er müsse das Äußerste wagen, sie diese Nacht noch zu sprechen: es wäre
notwendig, dass sie sich vorher darauf bereite.
    Übrigens sahen wir immer klärer in dem, was vorgegangen war. Mark Anton
stieg nicht aus bloßer Höflichkeit bei seiner letzten Ankunft an unserm Haus ab,
da er es bei den vorigen Besuchen nicht tat, die er bei seiner Braut ablegte;
der Grossherzog mochte Wind bekommen haben, wie der junge Frescobaldi heranwüchse
und dass kein bloßer Maler in ihm stecke, weswegen ihn der Adel zu Florenz
gewissermaßen verachtete, und wollte beizeiten der gefährlichen Brut den Nacken
brechen. Der Mörder des Vaters hatte denselben in Venedig ausgekundschaftet und
sein eigen bös Gewissen dazu angetrieben. Das andre ergab sich von selbst; er
ließ ihn bei sich malen, um ihn genauer kennenzulernen und ob er wirklich
gefährlich wäre; und Ardinghello beschleunigte mit den ohne alles Arg gesagten
Worten: er war ein Schwertfeger und machte gute Klingen, die ihm vielleicht der
Zorn des Himmels eingab, dem Verbrecher das Todesurteil anzukündigen, seinen
Untergang, wenn
