 auch hierin wollt ich
jeden übertreffen, und Glück und Gestalt und Wesen führte mich zu den besten
Meistern.
    In der Zeichnung und Malerei kam ich auf die letzt unter die Hände des Georg
Vasari, der zwar nie ein schöpferisches Werk hervorgebracht hat, aber voll
Kenntnis und Geschmack war, bei allen seinen Vorurteilen. Der alte Schwätzer
blies wie ein Boreas mit vollen Backen in meinen Enthusiasmus. Mein Vater,
dessen Augapfel ich war, ließ mir zwar nach seiner Jovialität und nach Georgens
Verheißungen, dass ich ein Licht werden würde, alles zu verdunkeln, freien
Willen: doch bracht er mich noch kurz vor seiner Gefangenschaft und Flucht zu
verschiedenen philosophischen Köpfen, in deren Umgang ich nach und nach mich zu
einer andern Richtung lenkte. Meine erste Neigung behielt aber immer die
Oberhand.
    Ich glaube, die Hauptregel bei der Erziehung sei, den Kindern Zeit zu
lassen, sich selbst zu bilden. Das beste, was man tun kann, ist, dass man die
Triebe schärft und reizt, ein vortrefflicher Mensch zu werden, und ihnen die
eigne Arbeit soviel wie möglich dabei erleichtert. Alle Natur, wenn sie groß und
herrlich werden soll, muss freie Luft haben. Freilich muss der Stoff dazu in den
Urkräften liegen, und ein guter Erzieher sollte doch einigermaßen die
Vortrefflichkeit der Pflanzen kennen. Jeder gewaltige Geist wirft schon in der
Kindheit, obgleich noch im Chaos und Nebel, helle Strahlen von sich. Alkibiades
legt sich als spielender Knabe Wagen und Ochsen in den Weg, zwingt den Treiber,
zu halten; Scipio erkannte den künftigen Marius im jungen Soldaten. Ein einziger
Gedanke, nur eine Tat, von scharfem tiefen Gefühl oder vielfacher Überlegung
entsprossen, obgleich noch roh auf verschiedenen Seiten, ist eine glückliche
Vorbedeutung; und so Schnelligkeit, zu fassen und zu behalten: hingegen
Allgehorsam und Fraubasengutartigkeit, so beliebt bei Pedanten, eine
unglückliche; denn da ist kein Mut und keine Kraft. Alles, was in die jungen
Seelen eingetrichtert wird, was sie nicht aus eigener Lust und Liebe halten,
haftet nicht und ist vergebliche Schulmeisterei. Was ein Kind nicht mit seinen
Sinnen begreift, wovon es keinen Zweck ahndet, zu seinem eigenen Nutzen und
Vergnügen: das verfliegt wie Spreu im Winde. So ist die Natur des Lebendigen vom
Baum und Gras an, und der Mensch macht davon keine Ausnahme. Jeder geh in sein
Leben zurück und sehe, ob etwas von allen dem Vorzeitigen geblieben ist, wo
nicht etwa bloß zum Verderb des Genusses. Viel Natur und wenig Bücher, mehr
Erfahrung als Gelerntes hat die wahren vortrefflichen Menschen in jedem Stand
hervorgebracht.
    Ein Kind muss erst den Boden kennenlernen, worauf es geboren ist, Gewächse,
Tiere und Menschen, eh es etwas Ausländisches fassen kann: sonst
