, lagerten wir
uns in dem Wäldchen von Kastanien unten an den Quell der mit Efeu bekleideten
Felsenwand ins weiche Gras, von hohen dunkeln Eichen und Buchen hier umschattet,
nachdem wir erst unsre Weinflaschen an den frischesten Platz gestellt, gerade wo
der Sprung hervorstrudelte. Dem Schiffer sagten wir, er sollte vor
Sonnenuntergang uns wieder abholen; und so blieben wir allein.
    Wir ruhten vom Aufsteigen aus und streckten uns die Länge lang auf die
bequemsten Fleckchen; noch niedrig beim Aufgehen hatte schon die Sonne durch die
Stämme den Tau weggeküsst, und es war nun alles trocken. Wir genossen vom neuen
das Labsal des letzten Schlummers, als wir so früh aus den Betten mussten; und
die einzelnen Lichtstrahlen zitterten süß von oben schräg durch die bewegten
Zweige auf unsre Augenlider und schimmerten in die Dämmerung. »O Sonn und Erde,«
rief endlich Ardinghello, »wie gut macht ihr's euren Kindern, wenn sie sich
selbst das Leben nicht verbitterten!« und sprang auf. Auch ich rastete nicht
länger: der frische Duft der fortrieselnden Quelle machte den ganzen Körper
doppelt rege.
    Ich nahm ihn in Arm und ging mit ihm auf und nieder durch die Bäume und
sagte: »Das ist doch nicht fein, da wir so lange beisammen sind und ich dich
liebe wie mein ander Ich, dass du mir noch nichts von deinen Lebensumständen
bekannt gemacht hast und immer damit hinter dem Berge hieltest! Sooft die Rede
auf deine Familie kam, bogst du davon aus, als ob du aus dem Kraute gewachsen
wärest; was Cäcilien betrifft, lass ich's noch angehen, und deine Entschuldigung
wäre bei jedem andern gut gewesen.«
    »Lieber!« versetzte er darauf, »mein Schutzgeist hat mich davon abgehalten.
Ich glaube, dass jeder Mensch einen Dämon hat, der ihm sagt, was er tun soll, und
dass Sokrates nicht einen allein hatte; wenn wir nur dessen Stimme hören und uns
nicht übereilen wollten! In jedem Menschen wohnt ein Gott; und wer sein inner
Gefühl geläutert hat, vernimmt ohne Wort und Zeichen dessen Orakelsprüche,
erkennt seinen eignen höheren Ursprung, sein Gebiet über die Natur und ist nichts
untertan.
    Ich stamme aus einem der guten Häuser von Florenz: mein Vater war Astorre
Frescobaldi und meine Mutter Maria von der verfolgten Familie der Albizi! Beide
sind nicht mehr, und ich bin allein noch übrig, ihr erstes und letztes Kind.
Mein Vater entbrannte in Leidenschaft für Isabellen, die dritte Tochter des
Kosmus, vermählt mit dem Römer Paul Orsini: und sie gab ihm leicht Gehör; er war
noch jung, wohlgebildet und hatte tausend Reize, sie zu fesseln. Sie wurde
gleichfalls gegen ihn entzündet; und in Abwesenheit ihres Mannes, der von ihr
