 von seinem Alten die trefflichsten Karten, woran wir wenig
verbessern können.
    Überall weiß mein edler Führer, wo die neueren Helenen, Aspasien und Phrynen
stecken, und hat mit mancher schon in Korsarenehe37 gelebt; Liebesgötter
umgaukeln uns, sooft wir einlaufen.
    Demetri hat einen glücklichen Geburtsort gehabt. Scio ist die schönste Stadt
aller griechischen Inseln; und die Rebenhügel und Täler und Gärten zwischen den
Gebirgen im Innern des Landes mit ihren Pomeranzen-, Zitronen- und
Granatenhainen, von klaren herabstürzenden Bächen erfrischt und belebt, sind
entzückend und bezaubernd.
    Jedoch so schön ist alles, wie Du längst weißt, unter diesem seligen Himmel;
fast immerwährender Frühling, und für die Sommerhitze kühle Nächte; dichte
Schatten, spielende Seelüfte, Menge von Quellen und Überfluss an gesunden und
erquickenden Früchten.
    Paradies der Welt, Archipelagus, Morea, Karien und Ionien, o dass ich würdig
werde, euer ganz zu genießen!
    Die Griechen sind noch immer an Gehalt und Schönheit die ersten Menschen auf
dem Erdboden, ihre Liebe zur Freiheit und ihr Hass gegen alle Art von
Unterdrückung noch ebenso wie bei den Alten. Sobald sie nur ein wenig Luft
bekommen von der ungeheueren Masse des Schicksals, die sie drückt, wie regt sich
alles und ist Leben und Feuer! und wie halten sie an, wie blitzschnell
durchdringt ihr Verstand bei Gefahr, übersieht das Ganze und schlägt den rechten
Weg ein! Die Mainotten auf den Gebirgen von Sparta sind noch nie bezwungen
worden, sie und Montenegriner, Illyrier und Karier Helden wie ihre Urväter bei
Plataia.
    Kunst und mildere Sitten sind nur Ausbildung und machen weder eigentlichen
Kern noch Genuss aus.
    Und der Hang zur Freude, zur Lust, zu Gesang und Tanz, wie klopft er dennoch
ebenso in ihren Adern! und wie mächtig das Gefühl für Schönheit.
    O Du und Cäcilia, Ihr meine Geliebten, eilt hervor aus Euren Sümpfen!
                                                                     Ardinghello
Im Herbste schrieb er mir von Sizilien aus, in dessen Gewässern er herumkreuzte
und reiche Beute machte, am Fuß der Säule des Himmels, des stürmigen Ätna, aus
dessen hohlen Eingeweiden die lautersten Quellen unergründlichen Feuers geworfen
werden.
    Ulazal, der berühmte Kalabreser, das Schrecken der Mittelländischen See,
welcher die türkische Flotte anführte und schon verschiedenemal die Spanier
schlug, hatte ihn mit Freuden aufgenommen. Er tat sich bald hervor durch
Verstand und Tapferkeit; bekam alsdenn eine Galeere unter seine Befehle, worin
meistens italienische Renegaten und Griechen dienten; und es wurde durch
Vermittlung des Diagoras, des Sohns vom Admiral, so unter der Decke getrieben,
dass er nicht einmal seinen Glauben abschwören durfte und man dies für geschehen
annahm. Er und dieser junge Held, sein Todesbundesfreund, streiften nun jeder
mit einem kleinen Geschwader als raublüsterne Adler an den Küsten von Kalabrien,
