 in der ganzen
Gegend herumgestrichen und wenig anders zu Hause geblieben, als zu schlafen. Von
Quartier wollten wir nur im höchsten Notfall ändern, wegen Anlass vielleicht zu
gefährlichen Auftritten.
    Am meisten sind wir zu Bajä, am Pausilipp und einige Tage an der Küste von
Sorrento gewesen. Von allen diesen Zaubereien mündlich weitläuftig.
    Zu Bajä ist ein Wunder der Natur an dem andern; und in der alten Römer
Zeiten war noch dabei ein Wunder der Kunst an dem andern, wovon die herrlichen
Ruinen außer den Beschreibungen der Dichter zeugen. Was der Archipelagus sein
muss, wo das immerwährende Leben so um unzählbare Inseln herumwallt, wie hier nur
um drei oder vier! Glückliche Griechen! wenigstens zwei Drittel bewohnten und
bewohnen noch schöne Seeküsten.
    Das Grabmal Virgils, an dessen Echteit man keinen Grund zu zweifeln hat,
ist in der Tat ein rührender Winkel, der innerste Punkt des alten Partenope;
der Mittelsitz der Ruhe von der See her, die Spitze des Winkels von der Bucht.
Ich wünschte selbst an einem solchen Ort meine Asche; ohne Pomp, still, ein
kleines Gemäuer. Es liegt gerad am Pausilipp in der Höhe über der vor alters
durchgehauenen Grotte nach Pozzuolo. Die Pinien schienen allemal voll Ehrfurcht
sich zu seinem Schatten zu neigen und nur leis zu bewegen, um seinen Schlummer
nicht zu stören. Es ist schön, eine solche Stelle zu haben, wo sich die
Erinnerungen an einen großen Menschen alle lieblich zusammensammeln!
    Das Denkmal an der mit so warmer und heller Empfindung gewählten Stätte ist
mit mancherlei Gesträuch bekränzt; Efeu und wilde Weinranken schlingen sich
überall herum; und auf der Decke selbst, wo in den vielen Jahrhunderten sich
eine Schicht Erdreich festgesetzt hat, grünt es am dichtesten. Ein Lorbeer
steigt in der Mitte stolz hervor, der nur nicht lange dauern wird, weil alle
Reisenden, Dichter, Prinzen und Damen davon abbrechen, um Anteil an dem Ruhme
des Unsterblichen zu haben.
    Man genießt hier Neapel und den erfreulichen Meerbusen in einem der
schönsten Gesichtspunkte.
    Sorrent liegt von Bergen eingeschlossen in einem kleinen Tal, das die Form
wie ein Hufeisen hat. Es ist das bezauberndste Plätzchen des weiten Paradieses
der Gegend, wohinein das Meer noch eine besondere kleine Bucht macht. Dessen Ufer
sind hohe senkelrechte Felsen, so dass es wie auf einer Bühne sich zeigt. Man muss
aus der See eine halbe Stunde lang auf einem Wege von Terrassen hinansteigen.
Die niedlichen Häuser und Palästchen stecken in einem Gartenwald von Öl-,
Pomeranzen-, Zitronen- und Fruchtbäumen; hier wachsen die köstlichsten Melonen.
    
    Der Vesuv ist davon in seiner einfachsten, allergrössten und furchtbarsten
Gestalt zu sehen, so stolz und erhaben, dass die höchsten Alpen davor
verschwinden. Er sieht aus wie ein Wesen, das
