 hohe Lombard, Ariosts Nachbar, in seiner Io; wenn ihm
auch die antike kleine Leda, mit der im Stehen sich Zeus als Schwan begattet
(welche treffliche wollüstige Gruppe ihr zum Zeichen eurer freien Denkungsart
öffentlich gerade vor dem Eingange der Markusbibliotek aufstelltet), Anlass zur
ersten Idee davon gegeben haben sollte.
    Das dritte und Hauptgemälde von Raffael zu Perugia ist in dem Nonnenkloster
zu Monte Luce, welches er drei Jahre vor seinem Tode vollendete. Ein Altarblatt,
die Figuren völlig in Lebensgröße.
    Es stellt wie das erste vor die Himmelfahrt und Krönung der Muttergottes;
aber alle Spur von seines Lehrmeisters enger und schmaler Manier ist hier
verschwunden. Die zwölf Apostel stehen um den Sarg, statt der Madonna mit
Blumen, Rosen, Lilien, Nelken und Jasminen, angefüllt, und blicken erstaunt auf,
wo ihr Sohn sie von Wolken emporgetragen mit Engeln empfängt und krönt.
    Die Mutter ist eine der frischesten weiblichen Gestalten, noch blühend wie
eine Jungfrau, doch voll edlem Ernst, wie eine Matrone, und heißer wunderbarer
Empfindungen der Seligkeit, im Taumel neuer Gefühle, wie vom Erwachen, alles
groß an ihr und herrlich schön. Sie faltet die Hände kreuzweis an die Brüste und
blickt durchaus gerührt mit entzücktem Aug auf ihren Sohn. Ihr Gesicht ist nach
ihm hingewandt, und man sieht ganz die rechte Seite und vom linken Auge nur den
heißen Blick; große schwarze Augen mit einem zarten Bogen Augenbraue, und
dunkelblondes Haar unter dem langen grünen Schleier, der sich hinter dem rechten
Ohr hinabzieht.
    Christus ist feurig im Gesicht, wie ein sonnenverbrannter Kalabrier aus
seinem starken Bart um die Kinnbacken, und sein ausgestreckter rechter Arm voll
Kraft und Nerve, womit er ihr den Kranz aufsetzt. Der Engel mit Blumen in der
Rechten an ihm hat einen Kopf voll himmlischer Schönheit, sonniglich entzückt;
es scheint ihm überall Glanz aus seinem Gesicht hervorzubrechen.
    Die Anordnung durchaus ist reizend und bildet das schönste Ganze. Madonna
ist oben in der Mitte, Christus zu ihrer Linken, an beiden ein Jüngling von
Engel bekleidet, unter diesen bei jedem ein zart nackend Bübchen, und über allen
der Heilige Geist in einem dichten Duft von gelbem Himmelsglanz.
    Die Auffahrt geschieht ganz gemach auf einer dunkeln dicken Wolke mit
lichtem Saum und hat nicht das leichte Schweben wie in andern Gemälden davon;
aber eben dadurch gewinnt die Handlung Natur und Majestät. Raffael hatte eine
sehr reine klare Empfindung, die ihn minder fehlen ließ als andrer scharfer
Verstand.
    Je länger man den Christus betrachtet, desto mehr findet man etwas
übernatürlich Göttliches, das sich nur gütig herablässt; das Demütige der Madonna
vor ihm stimmt einen nach und nach dazu. Es ist etwas erstaunlich Mächtiges und
Gebieterisches in seinem Wesen, das mehr im Ausdruck liegt als den Formen
