 Untertanen,
Widerspruch! oder der selbst sich in seinen Geschöpfen lobpreist oder selbst
bestraft), und kann seinem Schicksal der grässlichen Einöde nicht entrinnen; ist
schlimmer daran, als die alten Feen in den Ritterbüchern, die sich bei widrigen
Begebenheiten die Augen zerweinen, dass sie sich nicht ermorden können. Alle Lust
und Pracht und Herrlichkeit der Welt wird zum Gaukelspiel und schwindet zurück,
für uns in ein Unding.
    Aristoteles ertrug nie ein solches Wesen und sträubt sich dagegen aus allen
Kräften; und mich dünkt, der Hohe, Edle hatte recht.30
    Es fällt uns schwer, bei Betrachtung des Weltalls Sinn und Verstand in
reiner und keuscher Verbindung zu bewahren. Die einen lassen lediglich und
allein nur Verstand gelten und ziehen, wo möglich, alle Natur aus: und die
andern halten sich zu sehr an die sinnlichen Vorstellungen und taumeln mit ihrer
Einbildungskraft herum in Paradiesen und Höllen. Hohe Schönheit ist ein Gewächs
auf seltnem Boden und wird nur Glücklichen zur Beute.
    Und glücklich die Gesellschaft, die einen solchen freudenreichen Glauben
nach Klima und Verfassung für ihr Dasein auf diesem Erdenrund bekommen hat oder
selbst erwählt! Sei er auch, um alle zu befriedigen, eine mystische Komposition
von Weltmonarchie, Aristokratie und Demokratie. Ihr werden Männer, die mit der
Natur und dem Volke gelind umgehn, und sie den Philosophen hold sein. Warum
sollten wir, wenn das vorige Zeitalter barbarische Begriffe hatte, uns auch
damit schleppen? Der Mensch kann nichts Göttlichers als Verstand ergründen, muss
man wohl der Schule des Anaxagoras zugeben; auch bleibt er in ihm mit Sinnen
samt Vernunft die höchste Regel der Wahrheit, und gegen ihre vereinigten
Aussprüche gilt weder Verjährung, Wunder noch Zeugnis.
    Je mehr man das Weltall und seine Verbindung damit kennt, desto
vortrefflicher die Religion.
    Und wer den reizbarsten, innigsten Sinn für die Schönheiten der Natur hat,
ihre geheimsten Regungen fühlt, deren Mängel nicht vertragen kann und denselben
abhilft nach seinen Kräften, der übt aller Religionen Wahrstes und Heiligstes
aus. Sein Tempel ist das unendliche Gewölbe des Himmels; sein Fest jede schöne
Sommernacht, ein herrlicher Aufgang; und er bringt seine Opfer dar an Menschen,
an Tiere, die ihrer bedürfen, an alles Lebendige.
    Metaphysik hat Gott allein, sie ist sein Ehrenamt! sagte derselbe Dichter
Simonides, welcher sich so klug über die Frage Was ist Gott? beim weisen Hieron
aufführte. Aristoteles will dies zwar nicht zugeben und meint: Gott wäre nicht
so neidisch; sie sei die Glorie des Menschen und es einem freien Mann
unanständig, sie nicht zu erforschen. Plato aber, sonst so stolz gegen die
leichten geflügelten heiligen Wesen, wie er die Dichter nennt, gestand, obgleich
bei einer andern Gelegenheit, demütig: Simonides habe selten unrecht;
