 handeln nicht,
sondern sind Handlung, Wesen in Form, und Wesen an und für sich in beiden
gleich. Jedes kann die Folge von dem andern in dem Wesen sein, wie ein Gedanke
von dem andern; denn beides, Gedanke und Körper, samt dessen Bewegung ist von
demselben Wesen Tat. Wesen vollendet ein zusammengesetztes Ganzes in Folgen von
Handlungen, eine Salaminische Schlacht, einen Olympischen Jupiter, wie
Geschöpfe. Sein Bewusstsein, das auf einmal alle Folgen fasst, gibt die Einheit.
    Dass Gott unendlichen Verstand habe und unendliche Welten ausmache, scheint
ein Widerspruch; denn alle Form ist Schranke. Gewiss dünkt mir schon, dass ich,
und so jeder andre Mensch, und jedes andre lebendige Geschöpf nicht immer lauter
Wesen in Form sei. Die Freiheit, etwas anzufangen, Ursache von einer Wirkung zu
sein und nicht zu sein, sich von der Stelle zu bewegen oder nicht zu bewegen,
Form anzunehmen und nicht anzunehmen, welche nicht kann geleugnet werden, wenn
nicht alles von einem grundlosen Schicksale gepeitscht handeln soll, erfordert
ein reines Wesen ohne Form, einen Mittelpunkt der Sammlung.
    Und dies ist das Heilige (welches einige Alten für Feuer, Ursprung der
Lebenswärme hielten, weil Feuer wäre: Wesen in seine größte Freiheit
verbreitet), wovon alles in jedem lebendigen Eins ausgeht, sinnlich wird und
erscheint und in dessen Liebesschoss sich alles wieder einsenkt; vor dessen Sein
und wunderbarer Allmacht, Despotismus und allertiefstem Gehorsam jede
Philosophie verstummt, nur erkennt: es ist, und ihm seine Art zu handeln
ablauert.
    Manches in der erhabenen Beschreibung des Aristoteles von Gott scheint
hierauf zu passen.
    Dies ist das unbegreiflich Göttliche, was in allem lebendigen Einzeln
verdaut und Körper wieder zu reinem Wesen auflöst, sich selbst und dieses wieder
nach Form seines gegenwärtigen Eins verwandelt, neue derselben Art erzeugt und
auf deren immer größere Vollkommenheit und mehrere Freuden denkt.
    Wenn Eins Alles ist, so ist jede Form desselben ursprünglich freie Handlung;
denn es lässt sich kein Grund denken als seine Lust, warum es aus sich so
mancherlei wird. Und Allgenuss seiner Kraft ist die höchste Freiheit.
    Das Wesen hat also die Welt nach seiner Lust aus sich erschaffen und in
mannigfaltige, für uns unendliche Formen geordnet. Wie, und ob auf einmal oder
nacheinander, können wir nicht ergründen. Soviel wissen wir, dass sich die
Schöpfung durch immerwährende Erneuerung immerfort erhält. Genug; die erste Form
muss einen Anfang gehabt haben, weil keine notwendig und ewig ist. Unendliches
lässt sich nur von einem Wesen denken, und der Verstand kann nur in einem seine
Ruhe finden.28
    Durch Wirken und Gegenwirken ist das All in schönem Leben. Das Wesen äußert
immer seine Kraft, so wie immer die Sterne leuchten und umeinander durch die
