 griechische Venus hier (Lust der Sinnen, Wonne
des Daseins) - und fuhr gerührt dann weiter fort:
    »Gott ist entweder die ganze Natur oder ein Teil der Natur, oder die Natur
besteht für sich aus ewiger notwendiger Bindung und Lösung verschiedner Wesen,
und es ist kein Gott, sonder lauter Schicksal.
    Dass Gott die ganze Natur selbst sei, ist der älteste Glaube.
    Dass er ein Teil der Natur sei, der jüngere; das edelste beste Leben darin,
wie Aristoteles sagt; ein Wesen, das sich von selbst in sich, seinen Einheiten,
wenn ich mich so ausdrücken darf, immerfort bewegt, ganz aus Tätigkeit besteht.
Dessen Charakter gerad es ist, nie gebunden zu werden, es sei von was es wolle;
das lieber das Böse freiwillig täte als das Gute gezwungen, wenn es ein Böses
für dasselbe geben könnte. Das vermöge dieses Charakters alles andre löst, was
sich seiner minder regsamen Natur nach bindet; kurz, eine unendliche Unruhe in
der unendlichen Uhr der Zeit.
    Anaxagoras führte zuerst diesen Glauben ein, Plato verschönerte ihn mit
Dichtungen, Aristoteles plagt sich, denselben in ein vernünftig System zu
bringen, scheint aber mit sich selbst darüber noch nicht einig.
    Verstand dünkt ihm das Göttlichste unter allem, was wir kennen; und dies
zwar wegen des Denkens, welches keine zufällige Eigenschaft, sondern immer rege
Wirksamkeit, selbstständig Leben sei, indem es dem Verstande sonst beschwerlich
werden müsse.
    Wenn aber der Verstand das Göttlichste und selbstständige Wirksamkeit sein
solle, so könn er, dünkt ihm ferner, nichts anders als sich selbst denken; denn
er würde, wenn er etwas anders dächte, zu einer bloß zufälligen Eigenschaft, und
könnte denken und nicht denken, außer dem, dass er sich erniedrigte.
    Ich sehe nicht ein, was uns ein solcher Gott hilft, auf was für Art er alles
bewegt, wie er sich den Geschöpfen mitteilt. Und was ist dann Materie, was sind
Elemente? Wo kommen sie her, und wie sind sie mit ihm in Zusammenhang, Ordnung
und Schönheit? Wenn die Natur selbst lebt und wirkt und ihre notwendige Art zu
sein hat und alles Einzelne aus sich hervorgeht und sich selbst fortilft: wozu
brauch ich einen Gott? und welch ein Greuel, im andern Fall, das höchste
Lebendige, das sich mit dem Tode gattet? Lauter Lücken und Mängel, die nach
seinem System nicht auszufüllen sind und wobei wir wieder von vorn anfangen
müssen.
    Hypotesen und Hypotesen! Aber es kommt darauf an, welche die denkbarste
und vernünftigste ist. Einer, der keine Lust hat, auch für sich zu glauben, was
man will, oder blinde Fenster der bloßen Ordnung wegen an einem Gebäude
verträgt, wo gerade das beste Licht
