 unergründlich allen unsern Sinnen. Je mehr das Kleine
einerlei Art beisammen, desto größer seine Macht und Stärke; und so kann Erde,
Luft oder Wasser das Feuer überwältigen, und so unterliegt beim Menschen der
sogenannte Geist der Materie. Doch nur im Einzeln kann dies geschehen, denn im
Weltall selbst herrscht Geist unermesslich und ohne Schranken. Geist bringt die
Welt in Ordnung und Schönheit nach seiner Natur, und selbst in uns fuhr er
deswegen; und dadurch hat der Mensch Gewalt über den Erdboden.
    Bewegung ist Wirksamkeit der Kraft auf einen Gegenstand. Wo Kraft und
Gegenstand ist, ist auch Bewegung. Wo doppelte Kraft aufeinander wirkt: Liebe
oder Krieg, Neueswerden oder Abprallung.
    Gedanke ist Anfang und Ziel der Bewegung, Anfang und Mittel und Ende der
Bewegung zusammen Handlung. Alles in der Natur hat das Vermögen, zu denken und
zu empfinden, und das Selbstgefühl ist Grund und Boden; denn alles, was ist, hat
Kraft, wodurch es ist, was es ist.
    Und folglich hat das System des Anaxagoras seinen guten Grund in der Natur.
Verstand hat die Welt gebildet: nur in allem auf seine eigne Art. Verstand ist
prüfende und unterscheidende Fassung des Ganzen; Verstand, in der
Zusammensetzung, das Meer, wohin alle Empfindungen laufen, sich begegnen und
sich läutern; und besteht selbst nur aus empfindender Kraft. Es ist der
eigentliche Kern jedes einzelnen Lebendigen, jedes Ganzen, das schlechterdings
an und für sich mit einer ersten Empfindung beginnen und sich mit gleichartigen
und andern Wesen paaren und hernach zusammenschaffen und bilden musste. Wenn nun
Verstand ursprüngliche Empfindung ist, so ist er auch der Schöpfer von allem
Individuellen.
    Der erste Trieb in jedem Lebendigen ist das Vergnügen oder nicht allein und
vereinzelt zu sein. Der zweite weitere Erkenntnis und größere Kraft zugleich:
dadurch erhob sich die vereinzelte Natur vom Wurm an bis zum erhabenen, freien,
vielfassenden und verbindenden klaren Menschen, der deswegen die Sprache und
alle Künste erfand. Der dritte, ungeheure, der alles unglücklich macht, die
ganze Welt zu erkennen und sie sein zu wollen; und in der Tat tobt immer das
dunkle Gefühl in uns auf, sie einmal gewesen zu sein und wieder zu werden.
    Ardinghello. Ich erstaune über Eure kühnen Behauptungen, und es wird mir
vieles Nachdenken kosten, deren Wahrheit oder Falschheit zu finden.
    Wenn Feuer sich in Luft verwandelt: bleibt es Feuer oder nicht? Und ferner:
so wie nur eine gewisse Materie ist, die Licht hat, und eine, die Ton hat, so
kann es ja auch eine geben, wenn man das Wort hierbei brauchen darf, die nur
denkt und Verstand hat, Ursache der Bewegung ist, immer wirkt und nie leidet,
bis das ganze Gebäude um
